wo der Schuh drückt
Eine Redewendung: sie fügt sich in einen Satz ein und wird mitgebeugt. Wander führt sie 1867 als Redensart, mit einem Stern hinter der Nummer. Schriftlich bezeugt seit 1858.
Bedeutung
- die Angelegenheit oder der Umstand, das Problem, das eine Person belastet
Bedeutungsangabe aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0.
So wird sie gebraucht
„Diese Rittmeisterin war kein Kind mehr, wiewohl sie noch jung war, und vernarrete sich dermaßen in meinen glattes Antlitz und geraden Leib, daß sie mir endlich nach langgehabter Mühe und vergeblicher umschweifender Weitläufigkeit nur allzu teutsch zu verstehen gab, wo sie der Schuh am meisten drücke.“
Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: Simplicius Simplicissimus, in: Projekt Gutenberg-DEIch wußte noch nicht, wo ihn der Schuh drückte.
(Aus Grimmelshausen, Der stolze Melcher)„Kein Mensch ahnte, wo mich der Schuh drückte.“
C – F, herausgegeben von Walther Mitzka
Belegstellen aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0. Wo eine eigene Fundstelle angegeben ist, steht sie beim Satz.
Überlieferte Fassungen
Alle Fassungen stehen gleichrangig — die Reihenfolge ist die der Quelle, keine Wertung.
- Deutsch
Wo der Schuh drückt.
Beleg: Michel, 282; Nefflen, 469
Herkunft und Erläuterung bei Wander
Die Franzosen sagen von jemand, der sich in dieser Lage befindet: Er ist im Gefängniss des heiligen Crispin. Bei den Katholiken hat jedes Gewerbe seinen Schutzheiligen, der in demselben sich auszeichnet. Der Schutzheilige der Schuhmacher ist der heilige Crispin, der nach der Legende im Geruch der Heiligkeit gestorben ist. Die Schuhmacher wählten ihn daher zu ihren Schutzheiligen und geben noch jetzt ein grosses Fest ihm zu Ehren. Il est dans la prison de Saint-Crépin. ( Lendroy, 1247. )
Wanders eigene Erläuterung, Band 4, Stichwort „Schuh“, Nr. 174 — siehe unten bei den weiteren Fundstellen.
Seit wann sie belegt ist
Die älteste Fundstelle im Deutschen Textarchiv steht im Jahr 1858 bei Falke, Jakob von, „Die deutsche Trachten- und Modenwelt: Ein Beitrag zur …“. Gesucht wurde nach der Wortfolge „Wo der Schuh drückt“; das Korpus kennt sie an 5 Stellen.
Deutsches Textarchiv (DTA), Korpus unter CC BY-SA 4.0. Das ist der älteste Fund in DIESEM Korpus — es reicht bis etwa 1600 zurück und ist eine Auswahl. Die Wendung kann älter sein.
Woher der Beleg stammt
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 4, Leipzig 1867–1880. Stichwort „Schuh“, Nr. 256 (von Wander als Redensart markiert).
Digitalisat: Deutsches Textarchiv, TEI-XML. Das Werk ist gemeinfrei. Wanders eigene Fundstellen stehen bei den einzelnen Fassungen.
Weitere Fundstellen bei Wander
Verwandte Sprüche aus demselben Werk — mit eigener Nummer, eigenen Fassungen und eigener Fundstelle.
Band 4, „Schuh“, Nr. 174
- Deutsch
Der Schuh drückt ihn.
Band 4, „Schuh“, Nr. 182
- Deutsch
Dieser Schuh drückt jeden.
Die Furcht vor dem Tode oder die Gewissheit zu sterben.
Wanders eigene Erläuterung, Band 4, Stichwort „Schuh“.
Band 4, „Schuh“, Nr. 216
- Deutsch
Er weiss wol, wo ihn der Schuh drückt.
„ ... Jck meine, gi hebben woll geuolett, wor jude scho dringett.“ ( Strals. Chronik, I, 49. )
Wanders eigene Erläuterung, Band 4, Stichwort „Schuh“.
Band 4, „Schuh“, Nr. 75
- Deutsch
Je enger der Schuh, je mehr er drückt.
Band 4, „Schuh“, Nr. 166
- Deutsch
Das ist ein Schuh, der jeden drückt.
Beleg: Parömiakon, 1845
Von einem allgemeinen Uebel, das viele oder alle betrifft, als Steuern, Krankheit, Tod.
Wanders eigene Erläuterung, Band 4, Stichwort „Schuh“.
Worauf sich die Bedeutungsangabe stützt
- [1]redensarten-index.de
Nachweise aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0. Die Ziffer ist die Nummer der Bedeutung oben; [*] steht dort für einen Nachweis ohne feste Zuordnung.
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