wie kommt Saul unter die Propheten
Ein Sprichwort: ein Satz, der für sich steht und eine Erfahrung ausspricht. Wander führt sie 1867 als Redensart, mit einem Stern hinter der Nummer. Schriftlich bezeugt seit 1643.
Bedeutung
- Erstaunen über jemandes völlig unerwarteten Sinneswandel, jemandes plötzliche Veränderung im Wesen oder der äußeren Erscheinung; spöttische Bemerkung über jemanden, der seine (körperlichen, geistigen) Fähigkeiten überschreitet, der sich in eine Gesellschaft begibt, die für ihn zu feingeistig ist, oder ferner, der sich in einen Bereich, an ein Thema oder dergleichen wagt, das seine Kompetenzen zu übersteigen scheint; im weitesten Sinne: „Woher kommt dieser Außenseiter?“ „Wie passt er zu den anderen?“
Bedeutungsangabe aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0.
So wird sie gebraucht
„Wenn ein Physikochemiker sich über die Angelegenheit der Weltsprache äussert, so setzt er sich der Frage aus: Wie kommt Saul unter die Propheten? oder deutlicher: Wie darf ein Naturforscher es wagen, in einer philologischen Sache seine Meinung geltend machen zu wollen?“
„Ich ging gerade damals über den Platz, und es fiel uns auf, wie Reger da unter den Leuten stand. Man musste sich unwillkürlich fragen, wie kommt Saul unter die Propheten?“
Belegstellen aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0. Wo eine eigene Fundstelle angegeben ist, steht sie beim Satz.
Überlieferte Fassungen
Alle Fassungen stehen gleichrangig — die Reihenfolge ist die der Quelle, keine Wertung.
- Deutsch
Wie kommt Saul unter die Propheten?
Beleg: Tappius, 147; Schaltjahr. V, 49; Schulze, 14; Simrock, 8769 - Niederländisch
Is Saul ook (wat doet Saul) onder de profeten?
Beleg: Harrebomée, II, 236 a - Lateinisch
Athenae nil habent commune cum Hierosolymis.
Beleg: Tappius, 147
Herkunft und Erläuterung bei Wander
Ausdruck der Verwunderung über einen Menschen, welcher aus niederm Stande plötzlich zu hohen Ehrenstellen gelangt, aber diesen nicht gewachsen zu sein scheint. Im allgemeinen von jemand, den man in einer Gesellschaft, in einem Kreise bemerkt, wohin er seiner ganzen Bildung nach nicht zu gehören scheint.
Wanders eigene Erläuterung, Band 4, Stichwort „Saul“, Nr. 7 — siehe unten bei den weiteren Fundstellen.
Seit wann sie belegt ist
Die älteste Fundstelle im Deutschen Textarchiv steht im Jahr 1643, „Ethica Complementoria: Complementier-Büchlein / Darin Ein …“. Gesucht wurde nach der Wortfolge „Wie kommt Saul unter die Propheten“; das Korpus kennt sie an 4 Stellen.
Deutsches Textarchiv (DTA), Korpus unter CC BY-SA 4.0. Das ist der älteste Fund in DIESEM Korpus — es reicht bis etwa 1600 zurück und ist eine Auswahl. Die Wendung kann älter sein.
Woher der Beleg stammt
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 4, Leipzig 1867–1880. Stichwort „Saul“, Nr. 8 (von Wander als Redensart markiert).
Digitalisat: Deutsches Textarchiv, TEI-XML. Das Werk ist gemeinfrei. Wanders eigene Fundstellen stehen bei den einzelnen Fassungen.
Weitere Fundstellen bei Wander
Verwandte Sprüche aus demselben Werk — mit eigener Nummer, eigenen Fassungen und eigener Fundstelle.
Band 4, „Saul“, Nr. 7
- Deutsch
- Ist Saul auch unter den Propheten?
- 1 Sam. 10, 12; Herberger, I b
- Tschechisch
Saul meci proroky.
Beleg: Čelakovsky, 17 - Lateinisch
- Anser inter olores.
- Graculus inter musas.
- Quid in Tragoedia Comici.
- Quid Saul inter Prophetas?
- Schwedisch
- Hwad haar Saul til at gjöra ibland Propheter?
- Saul bland Propheterna.
Band 4, „Saul“, Nr. 4
- Deutsch
Saul war auch unter den Propheten, zuletzt gerieth er unter die Teufel.
Worauf sich die Bedeutungsangabe stützt
- [1]Georg Büchmann: Geflügelte Worte (1952)
- [1]Wolf Friederich: Moderne deutsche Idiomatik (1976)
- [1]Duden: Großes Buch der Zitate und Redewendungen, 2. Auflage, Stichwort »Wie«, Seite 844–845.
- [1]DWDS — Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache, Stichwort „wie kommt Saul unter die Propheten“
- [1]Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Stichwort „wie kommt Saul unter die Propheten“, Nummer 8.
Nachweise aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0. Die Ziffer ist die Nummer der Bedeutung oben; [*] steht dort für einen Nachweis ohne feste Zuordnung.
Wendungen mit demselben Bild
Gemeinsam ist das Wort, nicht zwingend die Bedeutung.
- der Appetit kommt beim Essengemeinsam: „kommt“
- Deutsch
- Englisch
- Französisch
- Niederländisch
- +2
- Hochmut kommt vor dem Fallgemeinsam: „kommt“
- Deutsch
- Mittelhochdeutsch
- Tschechisch
- Französisch
- +4
- wenn man vom Teufel spricht, kommt ergemeinsam: „kommt“
- Deutsch
- Englisch
- Schwedisch
- Französisch
- +1
Fassungen in: Niederländisch · Lateinisch