wissen, wo Barthel den Most holt
- Deutsch
- Niederländisch
- Lateinisch
Bedeutung
- Deutschland, Bescheid wissen; alle Kniffe kennen; wissen, wo es langgeht/zeigen, wo es langgeht
Bedeutungsangabe aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0.
Überlieferte Fassungen
Alle Fassungen stehen gleichrangig — die Reihenfolge ist die der Quelle, keine Wertung.
- Deutsch
Er weiss, wo Barthel Most holt.
Beleg: Lohrengel, II, 516 - Niederländisch
Hij weet wel, waar Abraham den mutsaard haalt.
Beleg: Harrebomée, II, 111 b - Lateinisch
Cereas imagines movet. – Scit quod Juno fabulata est cum Jove. – Scit quomodo Jupiter duxerit Junonem.
Beleg: Masson, 74
Weiss mehr davon, als man glaubt, weiss alle Schliche. Wie neulich K. Braun in P. Lindau's Gegenwart, XI. Bd., S. 31 zu beweisen sucht, steht der Mensch, welcher weiss „wo Barthel Most holt“, auf gleicher Linie mit denjenigen, welche das Gras wachsen und die Flöhe husten hören; er ist ein dumpfiffiger Mensch, welcher sich einbildet, Dinge zu wissen, die es nicht gibt, weil es am Bartholomäustage (24. August) noch keine reifen Trauben gibt, also auch noch keinen Most geben könne.
Wanders eigene Erläuterung, Band 5, Stichwort „Wissen“.
Woher der Beleg stammt
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 5, Leipzig 1867–1880. Stichwort „Wissen“, Nr. 564 (von Wander als Redensart markiert).
Digitalisat: Deutsches Textarchiv, TEI-XML. Das Werk ist gemeinfrei. Wanders eigene Fundstellen stehen bei den einzelnen Fassungen.
Weitere Fundstellen bei Wander
Verwandte Sprüche aus demselben Werk — mit eigener Nummer, eigenen Fassungen und eigener Fundstelle.
Band 1, „Barthel“, Nr. 2
- Deutsch
Barthel weiss schon, wo er den Most holt.
Beleg: Grimm, I, 1145; Simrock, 744
Band 1, „Barthel“, Nr. 6
- Deutsch
Er weiss, wo Barthel Most holt (schenkt).
- Lateinisch
Scit bene, qua frendens valle moretur aper.
Beleg: Ovid · Erasm., 1, 46
Man wendet diese, nach Grimm ( Wörterbuch, I, 1145 ) noch unerklärte Redensart an, wenn man jemand als klug, gewandt und schlau bezeichnen will, als einen, der Mittel und Wege kennt, seinen Zweck zu erreichen. – Nach dem Bremer Wörterbuche (I, 58) will die Redensart sagen: Er versteht mehr davon als man denken sollte. – Nach einigen soll Barthel um das Jahr 1230 Schultheiss in Heilbronn gewesen sein und den Most auf eine freisinnige Weise aus dem Rathskeller entlehnt haben. Eine sächsische (mir handschriftlich aus Kamenz mitgetheilte) Sage dagegen verlegt die Entstehung der Redensart nach Meissen. Hier lebte, erzählt sie, zu Anfang des 16. Jahrhunderts ein Weinschenk, Namens Bartholomäus Zimmer, gebürtig aus Heidelberg, welcher als Weinverständiger aus den besten Weinlagern seine Waare bezog, selbst einen trinkbaren Wein erbaute, ihn gehörig behandelte und bei dem man einen vorzüglich guten Most fand; daher man sich, wenn man einen fleissigen oder klugen Mann schildern wollte, dieses Sprichworts bediente. Jene Knittelverse:
Astutia vulpis,
Ferocia felis,
Haec valent in mundo
Ad hauriendum aquam a profundo;
Qui scit haec conjungere secum
Per mundum potest vadere mecum,
Nam scit bene locum
Quo Bartolus vendit mustum –
sind bekannt. Vielleicht hat auch Barthel gar einen jener Berge besessen, von denen Albin im 23. Titel seiner Meissner Berge und Landchronik sagt: „Es sind aber die meisten Wein im Obertheil des Landes zu Meyssen gepflegt worden nach dem 1317ten Jahre; denn in demselben ist Bischoff zu Meyssen worden Conradus ein Graf von Kirchberg, welcher die Weinberge zu Cotzenbrod und Mögeln angelegt und ferner zu Oberwarte und Gosslitz, Liebethal und Nussen, wie aus seinem alten Diplomadibus zu sehen.“ Ferner: „An etlichen Orten im Lande zu Meyssen, sonderlich an der Elbe, wechst goter Wein, da man für andere die Cotzenbroder (oder, wie man es jetzt ausspricht, die Katzenberger) und Zutzschwitzer sehr lobt, zumal, wenn sie noch in Mosten seyn, die da wegen ihrer Lieblichkeit und Dawerhaftigkeit berühmt sind.“ Da auch ferner Peter Knoll, der bekanntlich burgunder Reben in die meissener Gegend verpflanzte, auch in einigen alten Handschriften „Partei“ genannt wird, so könnte dieses Sprichwort: Er weiss u. s. w., d. i. aus Burgund, wo ein edler Wein seiner Art wächst, auch auf diese Art erklärt werden. – Herrig in seinem Archiv (XXII, 460) bezieht den Barthel unsers Sprichworts auf den Storch (Barthold) in der Thierfabel. (S. auch Bartholomäus 7.)
Wanders eigene Erläuterung, Band 1, Stichwort „Barthel“.
Band 5, „Wissen“, Nr. 504
- Deutsch
Er weiss nicht, wo Barthel Born holt.
Band 5, „Wiss“, Nr. 1
- Deutsch
) Auch wisse = gewiss; fest, unbeweglich, zuverlässig, tapfer, unverdrossen, ohne Aufhören.
Band 5, „Wissen“, Nr. 662
- Deutsch
Ich will wissen, wo Barthold den Most geholt hat.
Beleg: Schuppius, I, 617
Nach K. Braun (s. 564) holt Barthold gar keinen Most.
Wanders eigene Erläuterung, Band 5, Stichwort „Wissen“.
Worauf sich die Bedeutungsangabe stützt
- [1] , „wissen, wo Barthel den Most holt“, Seite 95
- [1] , „wissen, wo (der) Barthel den Most holt“, Seite 48
- [1] , „wissen, wo Barthel den Most holt“, Seite 155 ff.
- [1] , Seite 509–510
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Fassungen in: Niederländisch · Lateinisch