Alte deutsche Schriften
Wer eine alte Urkunde, einen Feldpostbrief oder ein Kirchenbuch vor sich hat, sucht zuerst einen Namen für das, was er sieht. Hier stehen 10 Schriften mit ihrer Herkunft — 4 davon mit dem Artikel aus Meyers Konversations-Lexikon von 1888 im Wortlaut, also in der Sprache der Zeit, in der diese Schriften noch Alltag waren.
Was Meyers 1888 schon führte
- Antiqua — Seite 648 der vierten Auflage
- Fraktur — Seite 480 der vierten Auflage
- Gebrochene Schrift — Seite 560 der vierten Auflage
- Kanzleischrift — Seite 478 der vierten Auflage
Der Reihe nach
- Karolingische Minuskel — 750
- Gebrochene Schrift — 1050
- Schwabacher — 1472
- Antiqua — 1600
- Fraktur — 1600
- Sütterlinschrift — 1915
Jahreszahlen aus Wikidata (CC0), Angaben Dritter. Sie sagen, wann eine Schrift aufkam — nicht, wann sie zum ersten Mal gedruckt wurde.
Alle 10 Schriften
Die Oberbegriffe
Womit die anderen gemeint sind, wenn jemand „deutsche Schrift" sagt.
- Deutsche Schrift — 6 Fundstellen im Fachwerk von 1740
- Gebrochene Schrift — mit Meyers 1888
Handschriften
Was in alten Briefen, Urkunden und Kirchenbüchern steht.
- Kanzleischrift — mit Meyers 1888
- Kurrentschrift — mit Herkunft des Namens
- Sütterlinschrift — mit Herkunft des Namens
Gebrochene Druckschriften
Die Schriften mit den gebrochenen Bögen — Textura bis Fraktur.
- Fraktur — mit Meyers 1888
- Rotunda — 1 Fundstellen im Fachwerk von 1740
- Schwabacher — 16 Fundstellen im Fachwerk von 1740
Runde Schriften
Die Gegenlinie: Unziale, Minuskeln, Antiqua.
- Antiqua — mit Meyers 1888
- Karolingische Minuskel — seit 750
Warum diese und keine anderen
Aufgenommen wird, worüber sich etwas belegen lässt: ein Artikel aus einem gemeinfreien Lexikon, ein Entstehungsjahr mit Quelle, oder Fundstellen in einem Fachwerk über Buchdruck. Ohne eines von dreien entsteht keine Seite, weil dann nur dastünde, was in der Wikipedia schon besser steht. Draussen bleiben deshalb vorerst Bastarda, Textura, Kurrentschrift und die Humanistische Minuskel — über sie ist in den hier benutzten Quellen nichts zu finden, was eine eigene Seite trüge.
Ein Wort zur Ehrlichkeit: bei den Redewendungen und den Fremdwörtern steht hinter jeder Angabe eine datierte Fundstelle. Für Schriftnamen geht das nicht — sie sind gewöhnliche Wörter, und eine Suche nach Rotunda findet ein Kräuterbuch. Deshalb trägt dieser Teil des Bestands andere Quellen, und jede Seite schreibt hin, welche.