da liegt der Hund begraben
Eine Redewendung: sie fügt sich in einen Satz ein und wird mitgebeugt. Wander führt sie 1867 als Redensart, mit einem Stern hinter der Nummer. Schriftlich bezeugt seit 1700.
Bedeutung
- dies ist die Ursache der (unüberwindlichen) Schwierigkeiten; dies ist der Kern der (unangenehmen) Angelegenheit/Sache; von dieser (unangenehmen) Angelegenheit/Sache hängt es ab; dies ist das Ausschlaggebende
Bedeutungsangabe aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0.
So wird sie gebraucht
„Man entdeckt oft erst beym zweyten- oder drittenmal, wo der Hund begraben liegt.“
Christoph Martin Wieland: Geschichte des Philosophen Danischmende, in: Der Teutsche Merkur (1775)„Wie geprügelt zuckte er nur zusammen, wenn er einmal hörte, daß irgendwo der Hund begraben liegen sollte, daß zwei Leute wie er und Katze lebten, und wenn er von Hundesöhnen und Schweinehunden hörte.“
Rolf F. Schütt: Die Irren sind auch nicht mehr die einzig Normalen (1997)„Und dies ist ein Bereich, in dem gerade auch in Österreich der Hund begraben liegt.“
Leserbrief: Beglückender Gleichklang, in: Vorarlberger Nachrichten (1999)
Belegstellen aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0. Wo eine eigene Fundstelle angegeben ist, steht sie beim Satz.
Überlieferte Fassungen
Alle Fassungen stehen gleichrangig — die Reihenfolge ist die der Quelle, keine Wertung.
- Deutsch
Da (hier) liegt der Hund begraben.
Beleg: Frommann, VI, 317, 191 · Sartorius, 167 - Französisch
- C'est là le noeud de l'affaire.
- C'est là que gît le lièvre.
- Niederländisch
Dáár ligt de hond begraven.
Beleg: Harrebomée, I, 316 - Lateinisch
Hinc illae lacrymae.
Beleg: Erasm., 441; Kruse, 387; Fischer, 103, 12; Philippi, I, 177
Herkunft und Erläuterung bei Wander
Das ist's, worauf es ankommt; hier ist das Hinderniss. Bei Dähnert (199 a ): Dar liggt de Hund begrawen. – Ueber den Ursprung dieser Redensart schrieb mir in den dreissiger Jahren ein Sprichwörterfreund aus Kamenz (Gräve): „Ich erinnere mich eines Streites der Maurergesellen, wenn ich nicht irre, in Berlin, weil einer derselben einen todten Hund so eingemauert hatte, dass der Schwanz herausgehangen, wodurch das ganze Mittel (Maurer- oder Bauhandwerkerzunft) sich beschimpft fühlte, ein gewaltiger Streit entstand und die Mauer abgetragen werden musste. Dies soll die Redensart veranlasst haben.“ Sehr wahrscheinlich gehört aber diese Redensart einer frühern Zeit an und hat einen andern Ursprung. Die Elegante Zeitung (1824, Nr. 186) verlegt denselben nach Nürnberg und erzählt ihn so: In einer frühern Periode, wo Nürnberg als Freie Reichsstadt durch seinen Handel und Kunstfleiss sich auszeichnete und blühte, wurde dort das noch stehende Rathhaus nach einem grossen und kostspieligen Plan und Anschlag erbaut. Dieser Bau währte mehrere Jahre, und er war bis auf einen Flügel vollendet, als es der Stadtkasse an Mitteln gebrach, die Kosten nach dem gemachten Anschlage zu bestreiten. Der Bau unterblieb also, und der fehlende Theil wurde nun, statt massiv, nur aus Fachwerk erbaut. Der Baumeister führte in seinem Petschaft einen Hund; und über die letzte massive gothische Thür, die nach diesem nur leicht und wohlfeil erbauten Flügel führt, hat er diesen Hund, in Stein gehauen, anbringen lassen, wodurch das obige Sprichwort entstanden sein und welches symbolisch andeuten soll: Man kann in einer angefangenen Sache nicht weiter gehen, weil unübersteigliche Hindernisse vorhanden (eingetreten) sind. (Vgl. auch: Durchflüge durch Deutschland, die Niederlande und Frankreich, IV, 54. ) – Nach noch einer andern Erzählung soll das Sprichwort auf folgende Weise entstanden sein. Der österreichische Feldhauptmann Sigmund II. (1547-1610) hatte einen treuen Hund, der ihm auf einer seiner Fahrten in den Niederlanden das Leben gerettet hatte, diesem liess er an der Gartenmauer des Schloss-Brauhauses zu Sanct-Veit (Oberösterreich) ein Denkmal mit einer Inschrift setzen: das noch bis zum Zusammenfall der Mauer (1821) gestanden hat. – Baumgarten (II, 61) erzählt folgende Sage: „Im Schloss Seisenburg war einmal ein Graf, der einen Hund besass, welcher ihm ungemein lieb war. Als das Thier starb, liess es der Graf ausweiden, den leeren Balg mit Dukaten füllen und so begraben. Nach langer Zeit kam eines Tages der kleine Sohn des herrschaftlichen Jägers zum Grossvater gesprungen mit den Worten: ›Grossvater, geschwind, geschwind, da draussen liegt ein wunderschöner Hund, der glänzt wie Gold.‹ (Da liegt der Hund begraben.) Das Kind zog den Alten, der nicht wollte, mit sich; und in der That, er sah den Hund, glänzend in Gold, in einiger Entfernung vor sich liegen; als sie aber nahe kamen, war er verschwunden.“ – Die Illustrirte Zeitung (Leipzig, Bd. 22, Nr. 676, S. 403) erzählt den möglichen Ursprung folgendermassen: Nur eine Stunde vom Inselsberge herab, bei dem Dorfe Winterstein, ist ein Grab; der verwitterte Denkstein trägt die Inschrift:
Ano 1650 Jar der Marcinwar
ward ein Hund hieher begrawen,
das ihn nicht fressen die Rawen,
war sein Name Stuczel genannt,
Fürsten und Hern wol bekannt
geschah ub seiner grosse Trauligkeit,
die er seine Hr. und Frawen beweist.
Im Volksmunde geht der Vers noch, wie folgt, weiter:
Schickt man ihn hin nach Friedenstein,
so lief er hurtig ganz allein,
und hat er seine Sach' ausgericht,
drum hat er diesen Stein gekriegt.
Man mag die Geschichte von dem Hunde a. a. O. ausführlicher lesen; hier nur dies. Im Dreissigjährigen Kriege hatte der betreffende Hund den Briefwechsel zweier Liebenden zwischen Winterstein und Friedenstein sehr treu und pünktlich besorgt; wofür ihm ein ruhiges Alter zugesichert wurde. So lange er indess noch laufen konnte, leistete er Dienste: so lief er z. B. täglich von Winterstein nach dem 1 1 / 2 Stunde entfernten Waltershausen, Einkäufe zu machen. Solche Treue wollte man nach dem Tode desselben noch ehren. Man begrub ihn unter grosser Leichenbegleitung auf den Kirchhof, wo ihn aber die Geistlichkeit nicht duldete. Stuczel, so hiess er, musste wieder ausgegraben werden und eine andere Grabstelle erhalten; wo er nun schon über zwei Jahrhundert liegt. (S. Winterstein.) Hund hat aber auch die Bedeutung eines Schatzes. (Vgl. Schmeller, II, 209; Sartorius, 167. ) Vielleicht daher auch bei H. Sachs (Kurzweilige Fastnachtsspiel) : „Da ligt der Hund (vnd klopfft mit der Hand auff sein Daschen).“
Wanders eigene Erläuterung, Band 2, Stichwort „Hund“.
Seit wann sie belegt ist
Die älteste Fundstelle im Deutschen Textarchiv steht im Jahr 1700 bei Arnold, Gottfried, „Gottfrid Arnolds Fortsetzung und Erläuterung Oder Dritter und …“. Gesucht wurde nach der Wortfolge „Da liegt der Hund begraben“; das Korpus kennt sie an 10 Stellen.
Deutsches Textarchiv (DTA), Korpus unter CC BY-SA 4.0. Das ist der älteste Fund in DIESEM Korpus — es reicht bis etwa 1600 zurück und ist eine Auswahl. Die Wendung kann älter sein.
Woher der Beleg stammt
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 2, Leipzig 1867–1880. Stichwort „Hund“, Nr. 1393 (von Wander als Redensart markiert).
Digitalisat: Deutsches Textarchiv, TEI-XML. Das Werk ist gemeinfrei. Wanders eigene Fundstellen stehen bei den einzelnen Fassungen.
Weitere Fundstellen bei Wander
Verwandte Sprüche aus demselben Werk — mit eigener Nummer, eigenen Fassungen und eigener Fundstelle.
Band 2, „Hund“, Nr. 1392
- Deutsch
Da liegt der Hund auf dem Heu.
Band 2, „Hund“, Nr. 1488
- Deutsch
Der Hund (liegt) in der Krippe.
Beleg: Lang, 50
Band 2, „Hund“, Nr. 32
- Deutsch
An den Hunden liegt's nicht, wenn die Pferde sterben.
Band 2, „Hund“, Nr. 238
- Deutsch
Der Hund liegt überall an der Kette.
So angenehm manches Verhältniss von der Ferne aus erscheint, wenn man es näher betrachtet, so hat es auch seine Schattenseite.
Wanders eigene Erläuterung, Band 2, Stichwort „Hund“.
Band 2, „Hund“, Nr. 829
- Deutsch
Liegt der Hund, so beissen ihn alle.
Beleg: Eiselein, 328; Simrock, 5055
Worauf sich die Bedeutungsangabe stützt
- [1]Wolf Friederich: Moderne deutsche Idiomatik (1976), Seite 433 mit Verweis auf das Stichwort »da liegt der Hase im Pfeffer«, Seite 297, 429.
- [*]Hans Schemann: Deutsche Idiomatik (2011), Seite 375 mit Verweis auf das Stichwort »da liegt der Hase im Pfeffer«, Seite 321.
- [1]Duden: Großes Wörterbuch, 3. Auflage, Stichwort »Hund«, Seite 1881.
- [1]Duden: Universalwörterbuch, 6. Auflage, Stichwort »Hund«, Seite 855.
- [1]Duden: Großes Buch der Zitate und Redewendungen, 2. Auflage, Stichwort »Da«, Seite 128.
- [1]Duden: Redewendungen, 4. Auflage, Stichwort »Hund«, Seite 371.
- [1]Renate Wahrig-Burfeind: Brockhaus Wahrig Deutsches Wörterbuch, in: Digitale Bibliothek (2012), Stichwort »Hund«.
- [1]Küpper: Lexikon der Umgangssprache, Stichwort »Hund«, Seite 1341–1342.
- [1]Küpper: Wörterbuch der Umgangssprache, 1 (Digitale Bibliothek), Stichwort »Hund«.
- [1]Duden online, Stichwort „da liegt der Hund begraben“
- [1]DWDS — Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache, Stichwort „da liegt der Hund begraben“
- [1]The Free Dictionary, Stichwort „da liegt der Hund begraben“
- [1]redensarten-index.de, Stichwort „da liegt der Hund begraben“
- [1]Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch, Stichwort „begraben“, „Hund“
- [1]Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm, Stichwort „Hund“
Nachweise aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0. Die Ziffer ist die Nummer der Bedeutung oben; [*] steht dort für einen Nachweis ohne feste Zuordnung.
Wendungen mit demselben Bild
Gemeinsam ist das Wort, nicht zwingend die Bedeutung.
- auf den Hund kommengemeinsam: „Hund“
- Deutsch
- Italienisch
- Mittelhochdeutsch
- Tschechisch
- +7
- mit allen Hunden gehetzt seingemeinsam: „Hund“
- Deutsch
- Lateinisch
Fassungen in: Französisch · Niederländisch · Lateinisch