wer A sagt, muss auch B sagen
Ein Sprichwort: ein Satz, der für sich steht und eine Erfahrung ausspricht. Wander führt sie 1867 als Sprichwort. Schriftlich bezeugt seit 1796.
Bedeutung
- Wenn etwas angefangen wurde, muss es auch fortgeführt werden – auch dann, wenn dabei Schwierigkeiten auftreten.
Bedeutungsangabe aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0.
So wird sie gebraucht
„Wer A sagt, muß auch B sagen, und weil er das erstemal nachgegeben hatte, so mußte er es auch zum zweitenmal.“
Brüder Grimm: Hänsel und Gretel„Wer A sagt, der muß nicht B sagen. Er kann auch erkennen, daß A falsch war.“
Bertolt Brecht: Der Jasager und der Neinsager (1930)Um in diesem Jahr endlich aufzusteigen, haben wir unser Stadion ausgebaut, einen Profitrainer engagiert, jetzt müssen wir einfach auch noch ein paar gute Spieler kaufen, selbst wenn wir uns dabei verschulden – wer A sagt, muss auch B sagen.
Belegstellen aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0. Wo eine eigene Fundstelle angegeben ist, steht sie beim Satz.
Überlieferte Fassungen
Alle Fassungen stehen gleichrangig — die Reihenfolge ist die der Quelle, keine Wertung.
- Deutsch
Wer lernt A sagen, soll auch lernen B (Z) sagen.
Beleg: Sprichwörtergarten, 33 - Französisch
Un engagement en entraîne (emporte) un autre.
- Lateinisch
- Cedens in uno cedet in pluribus.
- Pertexendum cuique, quod exorsus est.
- Semel altum ingressis vela facienda sunt.
Herkunft und Erläuterung bei Wander
Wird in Breslau, besonders, wenn nicht ausschliesslich, in Studenten- und Gelehrtenkreisen in Fällen angewandt, wo jemand etwas, wonach er gefragt wird, nicht weiss. Man er zählt die Entstehung des Sprichworts so. Der Prof. Elvenich soll die Gewohnheit gehabt haben, auch die Candidaten, die sich vorzugsweise den Realwissenschaften zugewandt haben, speciell in der Philosophie zu prüfen. So verlangte er einst von einem Candidaten der Naturwissenschaften, derselbe solle ihm den Inhalt des ersten Buchs von Kant's Kritik der reinen Vernunft angeben. Dieser erklärte, dass er damit nicht bekannt sei, worauf Prof. Elvenich erwiderte: „Nun, da werd' ich es Ihnen sagen.“ Er fragte dann in derselben Weise nach dem Inhalt des zweiten Buchs, und da dieselbe Antwort erfolgte, bemerkte der Professor wieder: „Nun, da werd' ich es Ihnen sagen.“ Dies oder Aehnliches soll wiederholentlich vorgekommen und auf diese Weise das Sprichwort entstanden sein.
Wanders eigene Erläuterung, Band 3, Stichwort „Sagen“, Nr. 6 — siehe unten bei den weiteren Fundstellen.
Seit wann sie belegt ist
Die älteste Fundstelle im Deutschen Textarchiv steht im Jahr 1796 bei Guts Muths, Johann Christoph Friedrich, „Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und Geistes: für …“. Gesucht wurde nach der Wortfolge „wer A sagt muss auch B sagen“; das Korpus kennt sie an 5 Stellen.
Deutsches Textarchiv (DTA), Korpus unter CC BY-SA 4.0. Das ist der älteste Fund in DIESEM Korpus — es reicht bis etwa 1600 zurück und ist eine Auswahl. Die Wendung kann älter sein.
Woher der Beleg stammt
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 1, Leipzig 1867–1880. Stichwort „A“, Nr. 10.
Digitalisat: Deutsches Textarchiv, TEI-XML. Das Werk ist gemeinfrei. Wanders eigene Fundstellen stehen bei den einzelnen Fassungen.
Weitere Fundstellen bei Wander
Verwandte Sprüche aus demselben Werk — mit eigener Nummer, eigenen Fassungen und eigener Fundstelle.
Band 3, „Sagen“, Nr. 150
- Deutsch
Wer etwas sagt, muss es beweisen.
Beleg: Graf, 453, 437
In Hamburg: De en dingk secht, de moth bewyszen. ( Lappenberg, 277, 190. )
Wanders eigene Erläuterung, Band 3, Stichwort „Sagen“.
Band 3, „Sagen“, Nr. 86
- Deutsch
Sag nicht, wer der und jener ist, so sagt er auch nicht, wer du bist.
Beleg: Chaos, 153; Eyering, III, 570
Band 3, „Sagen“, Nr. 158
- Deutsch
Wer sagt und setzt, der muss beweisen.
Beleg: Graf, 453, 436
Wer etwas behauptet oder eine Klage anhängig nacht. Im Ostfriesischen: De dair secht und settet, de moit bewiesen. ( Wicht, I, 27, 59. )
Wanders eigene Erläuterung, Band 3, Stichwort „Sagen“.
Band 3, „Sagen“, Nr. 6
- Deutsch
Da werd' ich es Ihnen sagen, sagt Elvenich.
Band 3, „Sagen“, Nr. 61
- Deutsch
Man muss sagen, ehe andere sagen.
- Spanisch
Antes dí que digan.
Beleg: Bohn I, 200
Wenn man nämlich etwas Gutes zu sagen hat; vielleicht lassen dann andere etwas weniger Gutes ungesagt.
Wanders eigene Erläuterung, Band 3, Stichwort „Sagen“.
Worauf sich die Bedeutungsangabe stützt
- [1]Röhrich: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, Neuausgabe, unter „A“, Seite 51
- [1]DWDS — Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache, Stichwort „A“
- [1]Gutknecht: Blühender Unsinn, Sonderauflage 2008, „das A und O von etwas sein“, S. 21 f.
- [1]Duden: Redewendungen, 1. Auflage, „wer A sagt, muß auch B sagen“ Seite 19.
Nachweise aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0. Die Ziffer ist die Nummer der Bedeutung oben; [*] steht dort für einen Nachweis ohne feste Zuordnung.
In denselben Sprachen überliefert
Diese Wendungen sind bei Wander in denselben Sprachen belegt — ein Weg durch den Bestand, keine Bedeutungsnähe.
- ab durch die Mitte
- Deutsch
- Mittelniederdeutsch
- Französisch
- Spanisch
- +2
- den Splitter im fremden Auge, aber nicht den Balken im eigenen sehen
- Deutsch
- Tschechisch
- Dänisch
- Englisch
- +7
- eine Hand wäscht die andere
- Deutsch
- Tschechisch
- Dänisch
- Französisch
- +7
- Gelegenheit macht Diebe
- Deutsch
- Mittelhochdeutsch
- Tschechisch
- Englisch
- +9
- Haare auf den Zähnen haben
- Deutsch
- Französisch
- Niederländisch
- Lateinisch
- +1
- im Trüben fischen
- Deutsch
- Englisch
- Französisch
- Italienisch
- +6
Fassungen in: Französisch · Lateinisch