redequell

Jede Angabe mit Beleg

Gelegenheit macht Diebe

Ein Sprichwort: ein Satz, der für sich steht und eine Erfahrung ausspricht. Wander führt sie 1867 als Sprichwort. Schriftlich bezeugt seit 1656.

Bedeutung

Bedeutungsangabe aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0.

So wird sie gebraucht

Belegstellen aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0. Wo eine eigene Fundstelle angegeben ist, steht sie beim Satz.

Überlieferte Fassungen

Alle Fassungen stehen gleichrangig — die Reihenfolge ist die der Quelle, keine Wertung.

Herkunft und Erläuterung bei Wander

Sie weckt und reizt Begierden, die sonst nicht erwacht oder doch in ihren Grenzen geblieben wären. Daher sagt ein talmudisches Sprichwort: Die Lücke lockt die Diebe herbei. Es galt daher im ältern Strafrecht die Ansicht, dass ein Vergehen, das blos bei Gelegenheit begangen werde, nicht so strafbar sei, als ein mit Vorsatz und Ueberlegung ausgeführtes. In solcher Allgemeinheit ist aber der Milderungsgrund des Sprichworts nicht richtig. Auch bedroht die neuere Gesetzgebung den hierher gehörenden Hausdiebstahl gerade mit schärferer Strafe. (Vgl. Hillebrand a. a. O. ) – Thut man aber der Gelegenheit nicht unrecht, wenn man sie blos das Böse begünstigen lässt? Sollte sie nicht auch ebenso viel Gutes veranlassen? – Oettinger fragt auch, ob es nicht richtiger wäre zu sagen: Gelegenheit macht Dichter.

Wanders eigene Erläuterung, Band 1, Stichwort „Gelegenheit“.

Seit wann sie belegt ist

Die älteste Fundstelle im Deutschen Textarchiv steht im Jahr 1656 bei Wülfer, Daniel, „Das vertheidigte Gottes-geschick/ und vernichtete …“. Gesucht wurde nach der Wortfolge „Gelegenheit macht Diebe“; das Korpus kennt sie an 31 Stellen.

Deutsches Textarchiv (DTA), Korpus unter CC BY-SA 4.0. Das ist der älteste Fund in DIESEM Korpus — es reicht bis etwa 1600 zurück und ist eine Auswahl. Die Wendung kann älter sein.

Woher der Beleg stammt

Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 1, Leipzig 1867–1880. Stichwort „Gelegenheit“, Nr. 14.

Digitalisat: Deutsches Textarchiv, TEI-XML. Das Werk ist gemeinfrei. Wanders eigene Fundstellen stehen bei den einzelnen Fassungen.

Weitere Fundstellen bei Wander

Verwandte Sprüche aus demselben Werk — mit eigener Nummer, eigenen Fassungen und eigener Fundstelle.

Band 1, „Gelegenheit“, Nr. 15

Band 1, „Gelegenheit“, Nr. 16

Band 1, „Dieb“, Nr. 60

Band 1, „Gelegenheit“, Nr. 17

Band 1, „Gelegenheit“, Nr. 27

Worauf sich die Bedeutungsangabe stützt

Nachweise aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0. Die Ziffer ist die Nummer der Bedeutung oben; [*] steht dort für einen Nachweis ohne feste Zuordnung.

In denselben Sprachen überliefert

Diese Wendungen sind bei Wander in denselben Sprachen belegt — ein Weg durch den Bestand, keine Bedeutungsnähe.

Fassungen in: Mittelhochdeutsch · Tschechisch · Englisch · Französisch · Niederländisch · Italienisch · Kroatisch · Lateinisch · Slowenisch · Spanisch · Ungarisch