viel Geschrei und wenig Wolle
Eine Redewendung: sie fügt sich in einen Satz ein und wird mitgebeugt. Wander führt sie 1867 als Sprichwort. Schriftlich bezeugt seit 1666.
Bedeutung
- großes Getue, viel Aufhebens um etwas, wobei am Ende kein nennenswertes Ergebnis steht, nichts dabei herauskommt
Bedeutungsangabe aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0.
So wird sie gebraucht
„Ja, mit dem Maul sind stets sie bereit. Sie erklärten den Krieg uns. Mehrere Wochen vergingen, sie kamen nicht einmal zum Rheine. Viel Geschrei und wenig Wolle! So sind die Franzosen, […].“
Heinrich Kruse: Seegeschichten, in: Projekt Gutenberg-DE„Als eine Art ‚Magna Charta der Arbeitnehmer‘ stellt die CDU an den Anfang ihres Gesetzentwurfs einen Abschnitt, in dem 17 Paragraphen die individuellen Rechte des Arbeitnehmers im Betrieb festlegen. ‚Viel Geschrei und wenig Wolle‘, meinen sozialdemokratische Gewerkschafter abschätzig zu diesen programmatischen Willenserklärungen.“
Heinz Michaels: Die gebremste Mitbestimmung, in: Zeit Online (1971)
Belegstellen aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0. Wo eine eigene Fundstelle angegeben ist, steht sie beim Satz.
Überlieferte Fassungen
Alle Fassungen stehen gleichrangig — die Reihenfolge ist die der Quelle, keine Wertung.
- Deutsch
Viel Geschrei und wenig Wolle!
Herkunft und Erläuterung bei Wander
Sagt man jetzt fast ganz allgemein in Deutschland, ohne sich eben viel dabei denken zu können. Der richtige Sinn dieses Sprichwortes scheint sich in der Schweiz erhalten zu haben, wo es lautet: „Vil G'scherei (d. h. viel Scherens) und wenig Wolle.“ In unserer Mundart müsste es also etwa lauten: „Viel Schererei und wenig Wolle.“ ( Deutscher Sprachwart von Max Moltke, IX, 9, 143. )
Wanders eigene Erläuterung, Band 5, Stichwort „Geschrei“.
Seit wann sie belegt ist
Die älteste Fundstelle im Deutschen Textarchiv steht im Jahr 1666 bei Dannhauer, Johann Conrad, „Catechismvs-Milch/ Oder Der Erklärung deß Christlichen …“. Gesucht wurde nach der Wortfolge „Viel Geschrei und wenig Wolle“; das Korpus kennt sie an 13 Stellen.
Deutsches Textarchiv (DTA), Korpus unter CC BY-SA 4.0. Das ist der älteste Fund in DIESEM Korpus — es reicht bis etwa 1600 zurück und ist eine Auswahl. Die Wendung kann älter sein.
Woher der Beleg stammt
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 5, Leipzig 1867–1880. Stichwort „Geschrei“, Nr. 64.
Digitalisat: Deutsches Textarchiv, TEI-XML. Das Werk ist gemeinfrei. Wanders eigene Fundstellen stehen bei den einzelnen Fassungen.
Weitere Fundstellen bei Wander
Verwandte Sprüche aus demselben Werk — mit eigener Nummer, eigenen Fassungen und eigener Fundstelle.
Band 1, „Geschrei“, Nr. 49
- Deutsch
Viel Geschrei, wenig Wolle, viel Stroh, wenig Korn.
Beleg: Winckler, XX, 31
So steht auch die grosse Masse von Wissen, welche über die Welt verbreitet ist, durchaus in keinem Verhältniss mit der sparsam verbreiteten gesunden Vernunft.
Wanders eigene Erläuterung, Band 1, Stichwort „Geschrei“.
Band 1, „Geschrei“, Nr. 35
- Deutsch
Gross geschrey, wenig Wolle.
Beleg: Luther's Ms., S. 7; Eiselein, 230 - Lateinisch
Multum clamoris, parum lanae.
Beleg: Binder II, 1939
Band 1, „Geschrei“, Nr. 48
- Deutsch
Viel Geschrei, wenig Ei.
Beleg: Parömiakon, 3004
„Je mehr die Menschen reden und schreiben, desto weniger handeln sie. Stumme Verzweiflung ist alleinige Mutter gefährlicher Verschwörungen; daher ein vollendeter Tyrann gewöhnlich der Vater der Freiheit.“ ( Welt und Zeit. )
Wanders eigene Erläuterung, Band 1, Stichwort „Geschrei“.
Band 1, „Geschrei“, Nr. 52
- Deutsch
Vil geschrei, wenig woll.
- Tschechisch
- Hory slov, a dílo (skutek) s prachem lítá.
- Mnoho hluku, málo zvuku.
- Mnoho vřávy, málo správy.
- Mnoho vřesku a málo vlny.
- Mnoho vřesku, málo zisku.
- Mnoho výčeskův, málo vlny.
- Kroatisch
Vnogo kriča, malo vune.
Beleg: Čelakovský, 80
Mehr Lärmen als Nüsse, sagen die Spanier. Und der Engländer führt in diesem Sinne Geschütze gegen Fliegen auf. ( Reinsberg IV, 76. )
Wanders eigene Erläuterung, Band 1, Stichwort „Geschrei“.
Band 1, „Geschrei“, Nr. 58
- Deutsch
Mehr geschrey als woll.
Beleg: Henisch, 1545
Worauf sich die Bedeutungsangabe stützt
- [1]redensarten-index.de, Stichwort „viel Geschrei und wenig Wolle“
- [1]Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Stichwort „Geschrei“
- [1]Duden: Redewendungen, 4. Auflage, „Geschrei: viel Geschrei und wenig Wolle“, Seite 270.
- [1]Röhrich: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, 2. Auflage, „Geschrei: Viel Geschrei und wenig Wolle“, Seite 539 ff.
Nachweise aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0. Die Ziffer ist die Nummer der Bedeutung oben; [*] steht dort für einen Nachweis ohne feste Zuordnung.
In denselben Sprachen überliefert
Diese Wendungen sind bei Wander in denselben Sprachen belegt — ein Weg durch den Bestand, keine Bedeutungsnähe.
- Gelegenheit macht Diebe
- Deutsch
- Mittelhochdeutsch
- Tschechisch
- Englisch
- +9
- wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein
- Deutsch
- Lateinisch
- Mittelhochdeutsch
- Tschechisch
- +6
- auf den Hund kommen
- Deutsch
- Italienisch
- Mittelhochdeutsch
- Tschechisch
- +7
- den Splitter im fremden Auge, aber nicht den Balken im eigenen sehen
- Deutsch
- Tschechisch
- Dänisch
- Englisch
- +7
- den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen
- Deutsch
- Lateinisch
- Polnisch
- Tschechisch
- +2
- ein Mann, ein Wort
- Deutsch
- Tschechisch
- Französisch
- Niederländisch
- +6