wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein
Ein Sprichwort: ein Satz, der für sich steht und eine Erfahrung ausspricht. Wander führt sie 1867 als Sprichwort.
Bedeutung
- etwas Übles, das man einem Dritten zufügen will, wendet sich gegen einen selbst
Bedeutungsangabe aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0.
So wird sie gebraucht
Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.
Aesop: Fabeln. „Der Löwe, Wolf und Fuchs.“ Fabel bei Literaturnetz„Es ist ein altes Sprichwort: Wer andern eine Grube gräbt, fällt selber darein. - Aber der Löwenwirt in einem gewissen Städtlein war schon vorher darin.“
Johann Peter Hebel: Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreundes, in: Projekt Gutenberg-DE„So belehrte denn der Richter den biederen Schreiber mit dem schönen Spruch: ›Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.‹“
Mararete von Navarra: Das Heptameron, in: Projekt Gutenberg-DE
Belegstellen aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0. Wo eine eigene Fundstelle angegeben ist, steht sie beim Satz.
Überlieferte Fassungen
Alle Fassungen stehen gleichrangig — die Reihenfolge ist die der Quelle, keine Wertung.
- Deutsch
Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.
Beleg: Müller, 54, 1 - Lateinisch
- Qui struit insidias ali, sibi damnum dat ipsi.
- Sibi parat malum, qui alteri parat.
Herkunft und Erläuterung bei Wander
„Wer ander fordert, wird geschlagen, und wer eim andern gräbt ein Loch, der mus darin abstürzen noch.“ ( Froschm., Ss b. ) Wer eine Grube für den Nachbar macht, heisst's in der Provence, fällt hinein. Die Perser sagen: Die Grube ist auf dem Wege dessen, der sie gräbt. Die Albanesen: Wer dem andern das Grab macht, fällt oft selbst hinein. Ein hebräisches Sprichwort hat denselben Sinn: Wer dem Nachbar den Zaun einreisst, wird von einer Schlange gebissen. Die Türken: Er ist in die Grube gefallen, die er für andere gegraben. ( Reinsberg II, 32 u. 34. )
Wanders eigene Erläuterung, Band 2, Stichwort „Grube“, Nr. 6 — siehe unten bei den weiteren Fundstellen.
Woher der Beleg stammt
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 1, Leipzig 1867–1880. Stichwort „Andere“, Nr. 23.
Digitalisat: Deutsches Textarchiv, TEI-XML. Das Werk ist gemeinfrei. Wanders eigene Fundstellen stehen bei den einzelnen Fassungen.
Weitere Fundstellen bei Wander
Verwandte Sprüche aus demselben Werk — mit eigener Nummer, eigenen Fassungen und eigener Fundstelle.
Band 2, „Grube“, Nr. 6
- Deutsch
Wer einem andern eine Grube grebt, der felt selbst hinein.
Beleg: Schwerin, 34 · Curtze, 349, 434 - Mittelhochdeutsch
- Vil dike er selber drinne lît, der dem andern grebt die gruoben.
- Wer ain grueb dem andern macht, der vellt selb darein unbedacht.
- Tschechisch
Kdo jinému jámu kopá, sám do ní padá.
Beleg: Haug - Englisch
Harm watch, harm catch.
Beleg: Gaal, 808 - Französisch
- Qui conduit dans le fossé y tombera le premier.
- Qui croit guiller Guillot, Guillot le guille.
- Qui mal veut à autrui, mal lui prend à lui même. ( Kritzinger, 726 b. )
- Qui souvent s'engeigne soi-même. ( Kritzinger, 272 b. )
- Qui tend un piège, s'y prend le premier.
- Tel qui creuse une fosse à un autre, tombe souvent lui-même.
- Kroatisch
Tko drugomu jamu kopa, sam ce u nju spasti.
- Lateinisch
- Effodit foveam vir iniquus, incidet illam.
- In auctorem poena redit suum.
- Incidit in foveam, qui primus fecerat illam.
- In caput auctoris facinus plerumque recundat.
- In foveam cecidit, quam fecerat ipse.
- Non est lex aequior ulla, quam necis artifices arte perire sua.
- Qui alteri exitium parat, eum scire oportet, sibi paratam pestem.
- Quicunque fraudes alii tendit subdolas timere debet, ne ipse capiatur dolo.
- Qui struit insidias alii, sibi damna dat ipsi.
- Sibi parat malum, qui alteri parat.
- Polnisch
Kto pod kim dołki kopie, sam w nie wpada.
- Spanisch
- Cae en la cueva el que otro á ella lleva.
- Quien lazo me armó, en él cayó.
- Ungarisch
Ki másnak verem ás, maga esik belé.
Beleg: Gaal, 808
Band 1, „Andere“, Nr. 19
- Deutsch
Wer andere mit Koth wirft, beschmuzt sich selbst.
Beleg: Sprichwörtergarten, 437
Band 1, „Andere“, Nr. 21
- Deutsch
Wer andere strafen will, muss selbst unsträflich sein.
- Lateinisch
Censor omni careat culpa.
Band 1, „Andere“, Nr. 22
- Deutsch
Wer andere tadeln will, muss selbst ohne Mängel sein.
Band 2, „Grube“, Nr. 5
- Deutsch
Mancher felt selbst in die Gruben, die er andern gemacht hat.
Beleg: Lehmann, II, 410, 45 - Mittelhochdeutsch
- Im selben gruobet dicke ein man und want eim andern gruobet hân.
- Die grove het ich gegravin ich muoz dar selve in varin.
Worauf sich die Bedeutungsangabe stützt
- [1]Duden: Redewendungen, 3. Auflage, Seite 302
- [1]redensarten-index.de, Stichwort „Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein“
Nachweise aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0. Die Ziffer ist die Nummer der Bedeutung oben; [*] steht dort für einen Nachweis ohne feste Zuordnung.
Wendungen mit demselben Bild
Gemeinsam ist das Wort, nicht zwingend die Bedeutung.
- eine Hand wäscht die anderegemeinsam: „anderen“
- Deutsch
- Tschechisch
- Dänisch
- Französisch
- +7
- wie ein Ei dem anderen gleichengemeinsam: „anderen“
- Deutsch
- Lateinisch
Fassungen in: Lateinisch