redequell

Redewendungen und Sprichwörter, jede Fassung mit Beleg

Schuster, bleib bei deinem Leisten

Bedeutung

Bedeutungsangabe aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0.

Überlieferte Fassungen

Alle Fassungen stehen gleichrangig — die Reihenfolge ist die der Quelle, keine Wertung.

Woher der Beleg stammt

Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 4, Leipzig 1867–1880. Stichwort „Schuster“, Nr. 27.

Digitalisat: Deutsches Textarchiv, TEI-XML. Das Werk ist gemeinfrei. Wanders eigene Fundstellen stehen bei den einzelnen Fassungen.

Weitere Fundstellen bei Wander

Verwandte Sprüche aus demselben Werk — mit eigener Nummer, eigenen Fassungen und eigener Fundstelle.

Band 4, „Schuster“, Nr. 8

„Das man nit sag: Schuster, fahr schon, lass vrtheil vbern Schuh nit gan.“ ( Waldis, II, 33, 37. ) „Tänk an dit Spreckwurd: Sütter, bliif bi din Leesten.“ ( Hansen, 4. ) Die eitle Beschränktheit mischt sich gern in alles. Ein gediegener Kopf verlässt nie die Grenzen seines bestimmten Wirkungskreises; aber er weiss auch, dass die Welt nicht durch seinen Leisten begrenzt ist, dass es jenseits desselben auch noch etwas gibt, und er hat mitunter das Bedürfniss, zu seiner Erfrischung einen Blick hinter seinen Berufsleisten zu thun. Ueberdies muss der Schuster auch bei seinem Leisten sein, wenn er dabei bleiben soll. Ueber die Vorliebe mancher Menschen für einen fremden Beruf vgl. Allgem. Anzeiger der Deutschen, Gotha 1836, Nr. 254. „Bei leisten, drät vnd pech der Schumacher sol bleiben vnd die gelehrten Leut lassen die Bücher schreiben.“ ( Zinkgref, IV, 83. ) Ein Schuhmacher in Siena, der das Sprichwort oft gehört und sich darüber geärgert hatte, stiftete von seinem grossen Vermögen ein Hospital und liess über den Eingang seine Büste anbringen mit der entgegengesetzten Unterschrift: Sutor ultra crepidam = der Schuhmacher geht über den Leisten hinaus. ( Ruppius, Sonntagsblatt, Berlin 1865, Nr. 6, S. 48. ) Das Sprichwort ist schon ein paar tausend Jahre alt und griechischen Ursprungs. Der berühmte Maler Apelles pflegte die von ihm vollendeten Gemälde den Vorübergehenden so zur Ansicht auszustellen, dass er hinter dem Gemälde ihre Urtheile über sein Kunstwerk zu hören vermochte. Ein Schuhmacher tadelte nun einmal, dass die Schuhe auf dem Bilde eine Oese zu wenig hätten. Appelles brachte dieselbe an. Als nun aber derselbe Schuhmacher, stolz, dass infolge seiner Bemerkung die Verbesserung vorgenommen sei, auch den Schenkel zu tadeln sich unterfing, rief der unwillige Maler hinter dem Bilde hervor: Was über den Schuh ist, muss der Schuster nicht beurtheilen. (Vgl. Büchmann, 6. Aufl., S. 157. ) Ein ähnlicher Fall wird vom Maler David erzählt, der auch ein Gemälde ausgestellt hatte, das die Menge bewunderte, während ein Kutscher es mit misfälligem Blick betrachtete. Der Maler, der es bemerkte, fragte nach dem Grunde. „Ja“, sagte er, „der Maler hat ein Pferd mit schaumbedecktem Maul gemalt, obgleich dasselbe keinen Zaum trägt.“ David beseitigte später den Schaum.

Wanders eigene Erläuterung, Band 4, Stichwort „Schuster“.

Band 4, „Schuster“, Nr. 34

Band 1, „Bleiben“, Nr. 1

Band 1, „Bleiben“, Nr. 5

Band 5, „Bleiben“, Nr. 37

Worauf sich die Bedeutungsangabe stützt

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