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Jede Angabe mit Beleg

Morgenstunde hat Gold im Munde

Ein Sprichwort: ein Satz, der für sich steht und eine Erfahrung ausspricht. Wander führt sie 1867 als Sprichwort. Schriftlich bezeugt seit 1672.

Bedeutung

Bedeutungsangabe aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0.

So wird sie gebraucht

Belegstellen aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0. Wo eine eigene Fundstelle angegeben ist, steht sie beim Satz.

Überlieferte Fassungen

Alle Fassungen stehen gleichrangig — die Reihenfolge ist die der Quelle, keine Wertung.

Herkunft und Erläuterung bei Wander

Worauf der platte Freund des Schlafs erwidert: „Awer de Abendstunn hett Blê im Ars“, nach dem die Abendstunden immer Karten, Glas und Pfeife in der Hand haben. Das Bild ist von dem Brauch entlehnt, kleine Geldbeträge, namentlich werthvolle Geldstücke in dem Munde zu verbergen. Durch Hariri's Makamen ( Rückert, I, 22 u. 23 ) wissen wir, dass dies bei den Arabern geschah. Die Griechen hatten den alten Gebrauch, und wol nicht blos bei den Todten, denen man bekanntlich das Fährgeld für Charon in den Mund gab. (Vgl. Grimm, Myth., 791. ) Nach Pertz ( Mon. Germ. hist., II, 84 ) hielten aber auch die Deutschen den Mund für den sichersten Ort, kleinere Geldsummen darin zu verbergen. (Vgl. W. Wackernagel in Haupt's Zeitschrift, VI, 290. ) – K. Arenz hat mit diesem Sprichwort ein Gedicht überschrieben. ( Düsseldorf II. ) – Dies goldene Sprichwort ist aber nicht von ungefähr in die Sprache zahlreicher Völker gekommen; denn die Grundlage aller geistigen Thätigkeit ist Nüchternheit. Sogar die Osmanen sagen, um die Ueberlegenheit der Morgenkraft selbst da, wo es gilt Schwierigkeiten zu überwinden, vor der jeder andern Tageszeit hervorzuheben: Böses am Morgen ist besser als Gutes am Abend. ( Schlechta, 21. ) Im Jahre 1852 hatte auch ein Negermädchen „Gold im Munde“. Sie hatte ihrem Herrn einige Dollarstücke weggenommen und sie in der Eile im Munde verborgen, sie flogen aber infolge einer Ohrfeige heraus.

Wanders eigene Erläuterung, Band 3, Stichwort „Morgenstunde“.

Seit wann sie belegt ist

Die älteste Fundstelle im Deutschen Textarchiv steht im Jahr 1672 bei Dannhauer, Johann Conrad, „Catechismus-Milch/ Oder Der Erklärung des Christlichen …“. Gesucht wurde nach der Wortfolge „Morgenstund hat gold im Mund“; das Korpus kennt sie an 10 Stellen.

Deutsches Textarchiv (DTA), Korpus unter CC BY-SA 4.0. Das ist der älteste Fund in DIESEM Korpus — es reicht bis etwa 1600 zurück und ist eine Auswahl. Die Wendung kann älter sein.

Woher der Beleg stammt

Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 3, Leipzig 1867–1880. Stichwort „Morgenstunde“, Nr. 4.

Digitalisat: Deutsches Textarchiv, TEI-XML. Das Werk ist gemeinfrei. Wanders eigene Fundstellen stehen bei den einzelnen Fassungen.

Weitere Fundstellen bei Wander

Verwandte Sprüche aus demselben Werk — mit eigener Nummer, eigenen Fassungen und eigener Fundstelle.

Band 3, „Morgenstunde“, Nr. 6

Band 3, „Morgenstunde“, Nr. 3

Band 3, „Morgenstunde“, Nr. 5

Band 3, „Morgenstunde“, Nr. 2

Band 3, „Morgenstunde“, Nr. 1

Wendungen mit demselben Bild

Gemeinsam ist das Wort, nicht zwingend die Bedeutung.

Fassungen in: Dänisch · Englisch · Französisch · Niederländisch · Italienisch · Lateinisch · Polnisch · Schwedisch · Spanisch · Ungarisch