jemanden in den April schicken
Eine Redewendung: sie fügt sich in einen Satz ein und wird mitgebeugt. Wander führt sie 1867 als Redensart, mit einem Stern hinter der Nummer.
Bedeutung
- umgangssprachlich: Eine Person (seltener auch Gegenstände und Abstrakta) am 1. April scherzhaft täuschen und zum Besten halten.
Bedeutungsangabe aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0.
So wird sie gebraucht
Den ersten April bat sie den Bergmann um die doppelte Erlaubnis, mit einer Freundin aus seinem großen Hause dem Jahrmarkte zuzusehen und ihn da in den April zu schicken. (Jean Paul, Das heimliche Klaglied der jetzigen Männer, Eine Stadtgeschichte, Erste Ruhestunde, z.n. Projekt Gutenberg)
April! Der Monat, von dem man sagt, daß er den Leuten gern alle möglichen Possen spielt, weshalb wir uns nach Kräften dadurch entschädigen, daß wir uns selbst gegenseitig »in den April schicken«. (Fritjof Nansen, Durch Nacht und Eis - Band 3, 12. Capitel, z.n. Projekt Gutenberg)
Dieß war immer eine Art von Saturnalien unter den Dienstboten, wo sie sich die Freiheit nahmen, zu sagen und zu thun, was ihnen einfiel; an diesem Tage war ihr Herr sehr ausgelassen, spaßhaft und kurzweilig, er schickte die alten grauköpfigen Neger nach Taubenmilch in den April, mit Allen trieb er seinen Schabernack, und sie machten sich eine Ehre daraus, ihrem alten Herrn zur Zielscheibe des Witzes zu dienen. (Washington Irving, Humoristische Geschichte von New-York, z.n. Projekt Gutenberg)
Belegstellen aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0. Wo eine eigene Fundstelle angegeben ist, steht sie beim Satz.
Überlieferte Fassungen
Alle Fassungen stehen gleichrangig — die Reihenfolge ist die der Quelle, keine Wertung.
- Deutsch
Jemanden in den April schicken.
Beleg: Lendroy, 96; Wurzbach II, 8 - Französisch
On lui a donné un poisson d'avril.
Herkunft und Erläuterung bei Wander
Ihn einen unnützen Gang thun lassen, um Gelegenheit zu bekommen, über ihn zu lachen. Der 1. April wird seit alter Zeit als der Tag betrachtet, dazu bestimmt, Einfaltige zu äffen, jemand zu hänseln und Scherze auszuführen. Die Franzosen leiten die Entstehung aus einer geschichtlichen Anekdote ab. Ein lothringischer, bei Ludwig XIII. in Ungnade gefallener Prinz sass auf dem Schlosse zu Nancy gefangen und entging seiner Haft dadurch, dass er die Wache täuschte und am 1. April durch die Meurthe schwimmend sich glücklich in Freiheit setzte. Der Breslauer Erzähler (1803, S. 259) erzählt die Begebenheit sehr ausführlich, aber abweichend und verlegt sie ins Jahr 1634. Unter den englischen Schriftstellern findet man sie zuerst 1711 bei Addison ( Englischer Zuschauer, 46. und 47. Stück ) erwähnt. Swift schickt seine Stella wirklich schriftlich April ( Swift's Works, London 1784, vol. 13, Journal to Stella, S. 8. ). Brauchen wir die Redensart: Er wurde in den April geschickt, in dem Sinne: seine Mühe, sein Gang, sein Unternehmen u. s. w. war erfolglos, so entspricht ihr die ägyptische: Er ging zu Khirt Birt, oder: Er ging zu Hersch Mersch (Ausdrücke, die blos ihres ähnlichen Lautes wegen gebraucht werden), d. h. es wollte nicht fort mit seinem Geschäft, oder er befand sich in einem Zustande der Demüthigung und Beschimpfung, was sich vielleicht durch das englische Sprichwort ausdrücken lassen dürfte: Er wurde nach Coventry geschickt. Die sonderbare Gewohnheit, durch eine falsche Nachricht jemand zu täuschen, zu machen, dass er vergeblich irgendwohin geht, findet man, Portugal und Spanien ausgenommen, durch ganz Europa. In Russland ist sie unter den dortigen Deutschen üblich; die russische Sprache hat keinen Ausdruck dafür. In einigen Gegenden Polens ist das Aprilschicken gemein. Im Deutschen heisst man eine auf diese Weise geneckte Person einen Aprilnarr, ebenso im Englischen an April fool. Das vergebliche Wegschicken wird a sleeveless errand (eine ärmellose Verschickung) und a Tom fool's errand genannt; in Frankreich hingegen un message borgue (eine einäugige Botschaft), im Italienischen far Calandrino, zum Calandrino machen, nach dem Namen eines zu Boccaccio's Zeiten bekannten einfältigen Malers. Doch sind diese letztern Ausdrücke eigentlich nicht vom Aprilschicken zu verstehen. In Frankreich und Italien sagt man dafür: Einem den Aprilfisch schenken, zu essen geben (Donner le poisson d'avril, faire manger du poisson d'avril). Dieser Aprilfisch ist die Makrele, die in diesem Monat frisch gegessen und in jenen Ländern für eine grosse Delicatesse gehalten wird. Sie heisst so, weil sie sich mit dem April an den französischen Küsten einfindet. (Ueber das Aprilschicken vgl. Breslauer Erzähler, 1803, S. 258 fg. ) Mühlhausen ( Urreligion, Kassel 1860, S. 141 ) versucht den Ursprung des Aprilnarren mythologisch zu erklären.
Wanders eigene Erläuterung, Band 1, Stichwort „April“.
Woher der Beleg stammt
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 1, Leipzig 1867–1880. Stichwort „April“, Nr. 44 (von Wander als Redensart markiert).
Digitalisat: Deutsches Textarchiv, TEI-XML. Das Werk ist gemeinfrei. Wanders eigene Fundstellen stehen bei den einzelnen Fassungen.
Worauf sich die Bedeutungsangabe stützt
- [1]Müller: Lexikon der Redensarten, „jmdn. in den April schicken“, Seite 28 f.
- [1]Duden: Redewendungen, 2. Auflage, „jmd. in den April schicken“, Seite 56
Nachweise aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0. Die Ziffer ist die Nummer der Bedeutung oben; [*] steht dort für einen Nachweis ohne feste Zuordnung.
In denselben Sprachen überliefert
Diese Wendungen sind bei Wander in denselben Sprachen belegt — ein Weg durch den Bestand, keine Bedeutungsnähe.
- ab durch die Mitte
- Deutsch
- Mittelniederdeutsch
- Französisch
- Spanisch
- +2
- allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann
- Deutsch
- Dänisch
- Schwedisch
- Mittelhochdeutsch
- +2
- aller guten Dinge sind drei
- Deutsch
- Französisch
- Niederländisch
- Lateinisch
- auf den Busch klopfen
- Deutsch
- Französisch
- Lateinisch
- auf den Hund kommen
- Deutsch
- Italienisch
- Mittelhochdeutsch
- Tschechisch
- +7
- aus der Haut fahren
- Deutsch
- Lateinisch
- Französisch
- Niederländisch
Fassungen in: Französisch