den Faden verlieren
Eine Redewendung: sie fügt sich in einen Satz ein und wird mitgebeugt. Wander führt sie 1867 als Redensart, mit einem Stern hinter der Nummer. Schriftlich bezeugt seit 1756.
Bedeutung
- beim Sprechen vergessen, was man sagen wollte; den gedanklichen Zusammenhang verlieren
Bedeutungsangabe aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0.
So wird sie gebraucht
„ich glaubte einige gelassene augenblicke zu haben, darum liesz ich sie rufen, sie sind nun da, und ich habe meinen faden verloren.“
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm, Stichwort „Faden“, Goethe, zitiert nach:Leute, die in der Jugend an Höfen und in großen Städten keine unbeträchtliche Rolle gespielt, die vielmehr dort geglänzt, nachher aber sich zurückgezogen, sich einer einfachern Lebensart gewidmet haben, vergessen gar zu leicht, daß, um hier immer ein Modegesicht zu bleiben, man nie den Faden der herrschenden Konversation aus der Hand verlieren, nie versäumen darf, auch in den kleinsten Fortschritten, der Kultur - wenn man das Kultur nennen muß - nachzufolgen.
Adolph Freiherr von Knigge, Über den Umgang mit Menschen, zitiert nach Projekt GutenbergManchmal verlor er den Faden seines Dramas, und wurde von dem bloßen Beben seiner Stimme durch eine Reihe von Affekten ohne Vorstellungsinhalt willenlos mitgerissen – sinnlose Worte vor sich hinsprechend, die ihn berauschten.
Hugo von Hofmannsthal, Age of Innocence, zitiert nach Projekt Gutenberg
Belegstellen aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0. Wo eine eigene Fundstelle angegeben ist, steht sie beim Satz.
Überlieferte Fassungen
Alle Fassungen stehen gleichrangig — die Reihenfolge ist die der Quelle, keine Wertung.
- Deutsch
Den Faden verlieren.
Beleg: Grimm, III, 1233, 5
Herkunft und Erläuterung bei Wander
Nach Kant (X, 180) hat ein englischer Advocat die Gewohnheit gehabt, beim Plaidiren einen Bindfaden aus der Tasche zu nehmen, den er unaufhörlich um den Finger auf- und abwickelte. Als sein Gegenadvocat ihm denselben einmal heimlich aus der Tasche prakticirt habe, sei er in Verlegenheit gekommen', und man habe gesagt, er habe den Faden seiner Rede verloren. Doch scheint mir dies eher eine Anwendung der Redensart als eine zufriedenstellende Erklärung ihres Ursprungs zu sein.
Wanders eigene Erläuterung, Band 1, Stichwort „Faden“.
Seit wann sie belegt ist
Die älteste Fundstelle im Deutschen Textarchiv steht im Jahr 1756 bei Darjes, Joachim Georg, „Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften: darinnen die …“. Gesucht wurde nach der Wortfolge „Den Faden verlieren“; das Korpus kennt sie an 5 Stellen.
Deutsches Textarchiv (DTA), Korpus unter CC BY-SA 4.0. Das ist der älteste Fund in DIESEM Korpus — es reicht bis etwa 1600 zurück und ist eine Auswahl. Die Wendung kann älter sein.
Woher der Beleg stammt
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 1, Leipzig 1867–1880. Stichwort „Faden“, Nr. 25 (von Wander als Redensart markiert).
Digitalisat: Deutsches Textarchiv, TEI-XML. Das Werk ist gemeinfrei. Wanders eigene Fundstellen stehen bei den einzelnen Fassungen.
Worauf sich die Bedeutungsangabe stützt
- [1]Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm, Stichwort „Faden“
- [1]DWDS — Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache, Stichwort „Faden“
- [*]Wortschatz-Portal der Universität Leipzig, Stichwort „den+Faden+verlieren“
- [1]Goethe, Stichwort „Faden“
Nachweise aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0. Die Ziffer ist die Nummer der Bedeutung oben; [*] steht dort für einen Nachweis ohne feste Zuordnung.
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