den Bock zum Gärtner machen
Eine Redewendung: sie fügt sich in einen Satz ein und wird mitgebeugt. Wander führt sie 1867 als Sprichwort. Schriftlich bezeugt seit 1668.
Bedeutung
- jemandem eine Aufgabe übertragen, zu der er nicht geeignet ist; demjenigen, der Schaden verursacht, die Pflege einer Sache anvertrauen / die Verantwortung für etwas übertragen
Bedeutungsangabe aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0.
So wird sie gebraucht
„Es wird in parlamentarischen Kreisen mehr als einen presbyterianischen Feuerbrand gegeben haben, dem es scheinen mochte, dass Cromwell mit solch einer Mission betrauen so viele heisse, als den Bock zum Gärtner machen wollen.“
Moritz Brosch, Oliver Cromwell und die Puritanische Revolution (1886), Seite 297„Kaum ein Satz konnte mehr Überzeugungskraft ausstrahlen als der Volker Grubs, es dürfe mit dem Insolvenzschuldner durch Anordnung der Eigenverwaltung nicht der Bock zum Gärtner gemacht werden.“
Anmerkung: Name im Original kursiv. · Stefan Smid: Handbuch Insolvenzrecht (2012)
Belegstellen aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0. Wo eine eigene Fundstelle angegeben ist, steht sie beim Satz.
Überlieferte Fassungen
Alle Fassungen stehen gleichrangig — die Reihenfolge ist die der Quelle, keine Wertung.
- Deutsch
Man muss den Bock nicht zum Gärtner machen.
Beleg: Simrock, 1179; Blum, 122; Bücking, 378; Gaal, 224 - Lateinisch
Pone seram, cohibe, sed quis custodiet ipsos custodes?
Beleg: Juvenal · Seybold, 449; Philippi, II, 101; Binder I, 1379; II, 2607
Herkunft und Erläuterung bei Wander
Von argen Fehl- und Misgriffen, auch wol dummen Streichen. Man erzählt: Ein pommerscher Edelmann, wiewol kurzsichtig, doch leidenschaftlicher Jagdliebhaber, war einst zur Herbstzeit auf der Jagd. In einem Vorgehölz ertönte der Ruf: Tirez haut! dessen man sich beim Aufsteigen von Federwildpret bedient, als ein vom Jagdgetön erschreckter, aus einer weidenden Herde versprengter Ziegenbock schnell eine Anhöhe hinaufeilte. Der Edelmann schoss und rief, als der Bock gestürzt, freudig aus: „Do lêt, hol mir der Döbel, der Schnepf.“ Es gibt keinen Beruf und Stand, in dem nicht dergleichen Schnepfen geschossen werden.
Wanders eigene Erläuterung, Band 1, Stichwort „Bock“, Nr. 85 — siehe unten bei den weiteren Fundstellen.
Seit wann sie belegt ist
Die älteste Fundstelle im Deutschen Textarchiv steht im Jahr 1668 bei Becher, Johann Joachim, „Politischer Discurs Von den eigentlichen Vrsachen/ deß Auf …“. Gesucht wurde nach der Wortfolge „den Bock zum Gärtner machen“; das Korpus kennt sie an 6 Stellen.
Deutsches Textarchiv (DTA), Korpus unter CC BY-SA 4.0. Das ist der älteste Fund in DIESEM Korpus — es reicht bis etwa 1600 zurück und ist eine Auswahl. Die Wendung kann älter sein.
Woher der Beleg stammt
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 1, Leipzig 1867–1880. Stichwort „Bock“, Nr. 48.
Digitalisat: Deutsches Textarchiv, TEI-XML. Das Werk ist gemeinfrei. Wanders eigene Fundstellen stehen bei den einzelnen Fassungen.
Weitere Fundstellen bei Wander
Verwandte Sprüche aus demselben Werk — mit eigener Nummer, eigenen Fassungen und eigener Fundstelle.
Band 1, „Bock“, Nr. 79
- Deutsch
Den Bock zum Gärtner setzen.
- Dänisch
At lade bukken vogte haven (ulven faarene, høgen hønsene').
Beleg: Prov. dan., 96 - Französisch
Au plus larron la bourse.
Beleg: Lendroy, 215 - Lateinisch
- Malus janitor.
- Mustelae sevum committere.
Band 1, „Bock“, Nr. 85
- Deutsch
Einen Bock machen (schiessen).
Beleg: Wurzbach II, 44; Grimm, II, 203, 8; Körte, 667 - Französisch
Il a choppé lourdement.
- Niederländisch
- Hij heeft een' bok gemaakt.
- Hij schiet een bok.
Band 1, „Bock“, Nr. 14
- Deutsch
Der Bock dienet nicht zum Gärtner.
Beleg: Henisch, 441
Band 5, „Bock“, Nr. 106
- Deutsch
Der Bock ist kein guter Gärtner.
Band 1, „Bock“, Nr. 61
- Deutsch
Wenn der Bock zum Gärtner wird, die jungen Bäum' er selten ziert.
Beleg: Henisch, 442; Lehmann, 70, 5
Worauf sich die Bedeutungsangabe stützt
- [1]redensarten-index.de
- [1]The Free Dictionary, Stichwort „Bock“
- [1]Duden: Redewendungen, 2. Auflage, „den Bock zum Gärtner machen“, Seite 132.
- [1]Müller: Lexikon der Redensarten, „den Bock zum Gärtner machen“, Seite 66.
- [1]Wagner: Schwein gehabt!, 13. Auflage, „den Bock zum Gärtner machen“, Seite 110.
Nachweise aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0. Die Ziffer ist die Nummer der Bedeutung oben; [*] steht dort für einen Nachweis ohne feste Zuordnung.
Wendungen mit demselben Bild
Gemeinsam ist das Wort, nicht zwingend die Bedeutung.
- aus seinem Herzen keine Mördergrube machengemeinsam: „machen“
- Deutsch
- Französisch
- bei jemandem gut Wetter machengemeinsam: „machen“
- Deutsch
- Französisch
- Niederländisch
- einen guten Schnitt machengemeinsam: „machen“
- Deutsch
- Französisch
- Dänisch
- Niederländisch
- gute Miene zum bösen Spiel machengemeinsam: „machen“
- Deutsch
- Englisch
- Französisch
- Niederländisch
- +3
- mach’s gutgemeinsam: „machen“
- Deutsch
- Französisch
- Dänisch
- Niederländisch
Fassungen in: Lateinisch