noch ist Polen nicht verloren
Eine Redewendung: sie fügt sich in einen Satz ein und wird mitgebeugt. Wander führt sie 1867 als Redensart, mit einem Stern hinter der Nummer. Schriftlich bezeugt seit 1832.
Bedeutung
- trotz einer schier aussichtslosen Lage ist noch Hoffnung vorhanden, es ist noch nicht alles verloren
Bedeutungsangabe aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0.
So wird sie gebraucht
„Danach ist es um den Elitewettbewerb unter Deutschlands Universitäten still geworden. Nach Einschätzung moderat Hoffnungsvoller soll ihm im Januar 2005 grünes Licht gegeben werden, nach der Befürchtung anderer wird der Wettbewerbsgedanke dahinsiechen, um sodann sang- und klanglos beerdigt zu werden. […] Aber nicht verzagen: Noch ist Polen nicht verloren.“
Peter Hommelhoff, Rektor der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Eröffnungsvortrag zum Studium Generale des WS 2004/2005Ich kann das Kochrezept für die Schwarzwälder Kirschtorte nicht mehr finden, aber noch ist Polen nicht verloren, ich rufe einfach meine Mutter an.
Während der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland erfreute sich dieser Ausspruch in der redensartlichen und zugleich wörtlichen Bedeutung großer Beliebtheit in den Medien, als man vielerorts hören und lesen konnte, dass Polen vor dem Gruppenspiel gegen Deutschland und nach dem verpatzten Auftaktspiel gegen Ecuador noch nicht verloren sei.
Belegstellen aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0. Wo eine eigene Fundstelle angegeben ist, steht sie beim Satz.
Überlieferte Fassungen
Alle Fassungen stehen gleichrangig — die Reihenfolge ist die der Quelle, keine Wertung.
- Deutsch
Noch ist Polen nicht verloren.
Herkunft und Erläuterung bei Wander
Ausspruch der Ermunterung, des Trostes u. s. w. Diese Redensart ist die Uebersetzung des von einem unbekannten Verfasser herrührenden Dombrowski-Marsches: Jeszcze Polska nie zginęta u. s. w. und ist auch für uns Deutsche ein bei Rettung aus Verlegenheit oft angewandtes Wort geworden. Der Marsch wurde zuerst von der polnischen Legion gesungen, welche Dombrowski 1796 unter Bonaparte in Italien sammelte. (Vgl. Ad. Mickiewicz, Vorlesungen über slawische Literatur und Zustände, Leipzig 1843, II, 258, 269 u. 324. )
Wanders eigene Erläuterung, Band 3, Stichwort „Polen“.
Seit wann sie belegt ist
Die älteste Fundstelle im Deutschen Textarchiv steht im Jahr 1832 bei Gutzkow, Karl, „Briefe eines Narren an eine Närrin“. Gesucht wurde nach der Wortfolge „Noch ist Polen nicht verloren“; das Korpus kennt sie an 16 Stellen.
Deutsches Textarchiv (DTA), Korpus unter CC BY-SA 4.0. Das ist der älteste Fund in DIESEM Korpus — es reicht bis etwa 1600 zurück und ist eine Auswahl. Die Wendung kann älter sein.
Woher der Beleg stammt
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 3, Leipzig 1867–1880. Stichwort „Polen“, Nr. 17 (von Wander als Redensart markiert).
Digitalisat: Deutsches Textarchiv, TEI-XML. Das Werk ist gemeinfrei. Wanders eigene Fundstellen stehen bei den einzelnen Fassungen.
Weitere Fundstellen bei Wander
Verwandte Sprüche aus demselben Werk — mit eigener Nummer, eigenen Fassungen und eigener Fundstelle.
Band 5, „Polen“, Nr. 23
- Deutsch
So leicht gibt Polen sich nicht verloren.
Worauf sich die Bedeutungsangabe stützt
- [1]redensarten-index.de
Nachweise aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0. Die Ziffer ist die Nummer der Bedeutung oben; [*] steht dort für einen Nachweis ohne feste Zuordnung.
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