redequell

Jede Angabe mit Beleg

Hans Dampf in allen Gassen

Eine Redewendung: sie fügt sich in einen Satz ein und wird mitgebeugt. Wander führt sie 1867 als Redensart, mit einem Stern hinter der Nummer.

Bedeutung

Bedeutungsangabe aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0.

So wird sie gebraucht

Belegstellen aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0. Wo eine eigene Fundstelle angegeben ist, steht sie beim Satz.

Überlieferte Fassungen

Alle Fassungen stehen gleichrangig — die Reihenfolge ist die der Quelle, keine Wertung.

Herkunft und Erläuterung bei Wander

Der Volkshumor nannte jeden, der müssig herumläuft, um zu gaffen oder etwas aufzuschnappen einen „Hans (auch Schnapphans, s. d.) von Jena“. Im Hoffarts Teuffel von I. Westphal ( Theatrum Diabolorum, 395 b ) ist „Hans von Jena“ mit „junger Leffel“ und „Pfingstvögelin“ zusammengestellt. Schnapphans oder abgekürzt, Hans von Jena ist ein Wahrzeichen der alten Universitätsstadt Jena, das sich, schon im 16. Jahrhundert zum Sprichwort geworden, am dasigen Rathausthurme auf der Marktseite befindet. Es besteht aus einem Kopfe, welcher im Frontispice des Zifferblattes der Uhr zwischen zwei auf Consolen stehenden Figuren angebracht ist. Der eherne Kopf mit ziemlich kräftigem Mundwerk sowol als die beiden Statuen dienen zum mechanischen Begleitungsspiel des Schlagwerks; der links stehende Engel signalisirt den Stundenschlag, und die Figur rechts, einen bärtigen Mann in kuttenartigem Gewande darstellend, führt mit beiden Händen einen an einem Metallstabe befestigten Apfel nach dem mit dem Ausheben des Glockenschlags sich weit öffnenden Munde des Kopfes und zieht ihn sofort wieder zurück, wenn dieser danach schnappt. Dies allstündlich sich wiederholende Schnappen hat nun dem wachsamen Volkswitze zu der Benennung „Schnapphans“ oder kurzweg „Hans von Jena“ Veranlassung gegeben. Schon Luther erwähnt in der dritten Predigt seiner Hauspostille über Matth. 22, 1-14 das obige Sprichwort, indem er sagt: „Wenn ein mächtiger König auf Erden Hochzeit machte, hätte die Mahlzeit herrlich bereitet und lüde viele dazu, da würde ein Zulaufen werden von allen Orten und ›Hans von Jena‹ würde auf allen Gassen sein.“ Wer zu dem Namen Haus Veranlassung gegeben, ob durch den Kopf ein Uhrenbauer Hans Düringer oder nach einer Sage Klaus Narr verewigt worden ist, ist nicht erwiesen. (Vgl. den Artikel Städtewahrzeichen in der Illustrirten Zeitung, Nr. 709, S. 114, vom 31. Jan. 1857. ) Anderwärts hat man übrigens auch einen Hans in allen Gassen. So heisst es bei Stoppe ( Parnass, S. 240 ): „Drum liefen wir, wie Hans in allen Gassen.“ Ausser dem „Hans in allen Gassen“ hat man noch einen Hans Dampf, Hans Hopp. ( Weinhold, 33. )

Wanders eigene Erläuterung, Band 2, Stichwort „Hans“, Nr. 35 — siehe unten bei den weiteren Fundstellen.

Woher der Beleg stammt

Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 5, Leipzig 1867–1880. Stichwort „Dampf“, Nr. 10 (von Wander als Redensart markiert).

Digitalisat: Deutsches Textarchiv, TEI-XML. Das Werk ist gemeinfrei. Wanders eigene Fundstellen stehen bei den einzelnen Fassungen.

Weitere Fundstellen bei Wander

Verwandte Sprüche aus demselben Werk — mit eigener Nummer, eigenen Fassungen und eigener Fundstelle.

Band 2, „Hans“, Nr. 63

Band 2, „Hans“, Nr. 104

Ueberall dabei, mischt sich in alle Händel. „Ein Hanns inn allen Gassen, wil die Händ vberall im sothe haben, wie die jungen Kinder vnd vil aussrichten, was jhm nicht befohlen ist.“ ( Mathesy, 62 a . ) Bei Henisch, (1363, 65) mit dem Zusatz: Meister fürwitz vnd der lateinischen Zufügung: Ardelio, homo inquietus et curiosus, alienis se immiscens negotiis.

Wanders eigene Erläuterung, Band 2, Stichwort „Hans“.

Band 2, „Hans“, Nr. 35

Band 5, „Hans“, Nr. 141

Band 5, „Dampf“, Nr. 9

Worauf sich die Bedeutungsangabe stützt

Nachweise aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0. Die Ziffer ist die Nummer der Bedeutung oben; [*] steht dort für einen Nachweis ohne feste Zuordnung.

Wendungen mit demselben Bild

Gemeinsam ist das Wort, nicht zwingend die Bedeutung.