redequell

Redewendungen und Sprichwörter, jede Fassung mit Beleg

der Appetit kommt beim Essen

Bedeutung

Bedeutungsangabe aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0.

Überlieferte Fassungen

Alle Fassungen stehen gleichrangig — die Reihenfolge ist die der Quelle, keine Wertung.

Ist auf mancherlei Verhältnisse anzuwenden. Die Lust zum Kaufen z. B. wächst mit dem Kaufen, worin es seinen Grund hat, dass die späten (oder faulen) Märkte gute Märkte werden. Dieses Sprichwort scheint französischen Ursprungs zu sein, wo es folgender Anekdote seine Entstehung zu danken haben soll. Heinrich III. von Frankreich versicherte als Zögling seinem Lehrer Amiot oft, wie er sich freue, ihm einst thätig dankbar zu sein. „Gnädiger Herr“, antwortete dieser stets, „mein Ehrgeiz kennt nur eine einzige Wohlthat, die, dass Sie mich Ihres Andenkens würdigen.“ Heinrich gab ihm in der That später eine reiche Abtei, und Amiot glaubte sich der Glücklichste unter dem Himmel. Als aber einige Jahre darauf das Bisthum von Auxerre erledigt ward, bewarb sich Amiot darum. „Aber, mein theurer Lehrer“, sagte der König zu ihm, „haben Sie Ihre alte Sittenlehre ganz vergessen?“ „Sire“, erwiderte Amiot, „der Appetit kommt, indem man isst.“ Heinrich lachte und wiederholte die scherzhafte Antwort oft, was Ursache war, dass sie in ein Sprichwort überging, um zu sagen, dass man um so mehr Gutes haben will, je mehr man bereits hat.

Wanders eigene Erläuterung, Band 1, Stichwort „Appetit“.

Woher der Beleg stammt

Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 1, Leipzig 1867–1880. Stichwort „Appetit“, Nr. 10.

Digitalisat: Deutsches Textarchiv, TEI-XML. Das Werk ist gemeinfrei. Wanders eigene Fundstellen stehen bei den einzelnen Fassungen.

Weitere Fundstellen bei Wander

Verwandte Sprüche aus demselben Werk — mit eigener Nummer, eigenen Fassungen und eigener Fundstelle.

Band 1, „Essen (Subst.)“, Nr. 21

Band 1, „Essen (Subst.)“, Nr. 46

Band 1, „Essen (Subst.)“, Nr. 50

Die Römer nannten ein kostbares, üppiges Mahl ein salisches, wie es bei den Saliern, dem ältesten Priestergeschlechte der Römer, gebräuchlich war. Die Franzosen haben dafür die Redensart: Une chére de commissaire ( Lendroy, 379 ), womit man ursprünglich ein Mahl bezeichnete, bei dem Fleisch und Fische aufgetragen wurden, ein Commissaressen, weil die Richter, welche von der Kammer zur Untersuchung einer Angelegenheit beauftragt wurden, aus Katholiken und Calvinisten bestanden und man bei der Bewirthung auf diesen Umstand Rücksicht nahm. Da aber jeder bemüht war, diese Commissare für sich zu gewinnen, um dadurch für seine Sache beim Gerichtshofe eine günstige Entscheidung zu bewirken, so diente die obige Redensart bald auch zur Bezeichnung eines guten, ausgesuchten Mahls.

Wanders eigene Erläuterung, Band 1, Stichwort „Essen (Subst.)“.

Band 1, „Appetit“, Nr. 15

Band 1, „Essen (Subst.)“, Nr. 18

Worauf sich die Bedeutungsangabe stützt

Verwandtes

Fassungen in: Englisch · Französisch · Niederländisch