der Appetit kommt beim Essen
Ein Sprichwort: ein Satz, der für sich steht und eine Erfahrung ausspricht. Wander führt sie 1867 als Sprichwort.
Bedeutung
- Sobald man eine Sache einmal angefangen hat, bekommt man auch Lust dazu.
Bedeutungsangabe aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0.
So wird sie gebraucht
Mein Bruder hatte nie Lust, Urlaub in den Bergen zu machen. Nun war er mit seiner Freundin da und wollte gar nicht mehr weg. Der Appetit kommt eben wirklich beim Essen.
Belegstellen aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0. Wo eine eigene Fundstelle angegeben ist, steht sie beim Satz.
Überlieferte Fassungen
Alle Fassungen stehen gleichrangig — die Reihenfolge ist die der Quelle, keine Wertung.
- Deutsch
Der Appetit kommt im Essen.
Beleg: Lendroy, 972; Leroux, II, 2 - Englisch
The appetite is concealed under the teeth.
Beleg: Proverbs, 52 - Französisch
- En mangeant l'on perd l'appétit.
- L'appétit vient en mangeant.
- L'appétit vient en mangeant, dit Angestrom, et la soif s'en va en buvant.
- Petit à petit vient l'appétit.
- Niederländisch
Al etende wast de appetijt.
Beleg: Harrebomée, I, 18
Herkunft und Erläuterung bei Wander
Ist auf mancherlei Verhältnisse anzuwenden. Die Lust zum Kaufen z. B. wächst mit dem Kaufen, worin es seinen Grund hat, dass die späten (oder faulen) Märkte gute Märkte werden. Dieses Sprichwort scheint französischen Ursprungs zu sein, wo es folgender Anekdote seine Entstehung zu danken haben soll. Heinrich III. von Frankreich versicherte als Zögling seinem Lehrer Amiot oft, wie er sich freue, ihm einst thätig dankbar zu sein. „Gnädiger Herr“, antwortete dieser stets, „mein Ehrgeiz kennt nur eine einzige Wohlthat, die, dass Sie mich Ihres Andenkens würdigen.“ Heinrich gab ihm in der That später eine reiche Abtei, und Amiot glaubte sich der Glücklichste unter dem Himmel. Als aber einige Jahre darauf das Bisthum von Auxerre erledigt ward, bewarb sich Amiot darum. „Aber, mein theurer Lehrer“, sagte der König zu ihm, „haben Sie Ihre alte Sittenlehre ganz vergessen?“ „Sire“, erwiderte Amiot, „der Appetit kommt, indem man isst.“ Heinrich lachte und wiederholte die scherzhafte Antwort oft, was Ursache war, dass sie in ein Sprichwort überging, um zu sagen, dass man um so mehr Gutes haben will, je mehr man bereits hat.
Wanders eigene Erläuterung, Band 1, Stichwort „Appetit“.
Woher der Beleg stammt
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 1, Leipzig 1867–1880. Stichwort „Appetit“, Nr. 10.
Digitalisat: Deutsches Textarchiv, TEI-XML. Das Werk ist gemeinfrei. Wanders eigene Fundstellen stehen bei den einzelnen Fassungen.
Weitere Fundstellen bei Wander
Verwandte Sprüche aus demselben Werk — mit eigener Nummer, eigenen Fassungen und eigener Fundstelle.
Band 1, „Essen (Subst.)“, Nr. 21
- Deutsch
Im Essen kommt der Appetit.
- Dänisch
Bid byder aanden og drik ligesom.
Beleg: Prov. dan., 69
Band 1, „Essen (Subst.)“, Nr. 46
- Deutsch
Das Essen kommt ihm nicht in die Kehle.
- Niederländisch
Dat eten kommt hem in de keel niet.
Beleg: Harrebomée, I, 186
Band 1, „Essen (Subst.)“, Nr. 50
- Deutsch
Es ist ein Essen wie beim Reichsprälaten.
Beleg: Binder II, 3009 - Lateinisch
- Pontificum coena.
- Saliares dapes.
Die Römer nannten ein kostbares, üppiges Mahl ein salisches, wie es bei den Saliern, dem ältesten Priestergeschlechte der Römer, gebräuchlich war. Die Franzosen haben dafür die Redensart: Une chére de commissaire ( Lendroy, 379 ), womit man ursprünglich ein Mahl bezeichnete, bei dem Fleisch und Fische aufgetragen wurden, ein Commissaressen, weil die Richter, welche von der Kammer zur Untersuchung einer Angelegenheit beauftragt wurden, aus Katholiken und Calvinisten bestanden und man bei der Bewirthung auf diesen Umstand Rücksicht nahm. Da aber jeder bemüht war, diese Commissare für sich zu gewinnen, um dadurch für seine Sache beim Gerichtshofe eine günstige Entscheidung zu bewirken, so diente die obige Redensart bald auch zur Bezeichnung eines guten, ausgesuchten Mahls.
Wanders eigene Erläuterung, Band 1, Stichwort „Essen (Subst.)“.
Band 1, „Appetit“, Nr. 15
- Deutsch
Wenn der Appetit kommt, so kommt auch die Gesundheit.
Band 1, „Essen (Subst.)“, Nr. 18
- Deutsch
Gut essen macht ein appetit.
Beleg: Lehmann, 509, 13
Worauf sich die Bedeutungsangabe stützt
- [1]Wikipedia: „Liste geflügelter Worte/D#Der Appetit kommt beim Essen“
- [1]Duden: Redewendungen, 2. Auflage, „der Appetit kommt beim/mit dem Essen“, Seite 55
Nachweise aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0. Die Ziffer ist die Nummer der Bedeutung oben; [*] steht dort für einen Nachweis ohne feste Zuordnung.
Wendungen mit demselben Bild
Gemeinsam ist das Wort, nicht zwingend die Bedeutung.
- Hochmut kommt vor dem Fallgemeinsam: „kommt“
- Deutsch
- Mittelhochdeutsch
- Tschechisch
- Französisch
- +4
- wenn man vom Teufel spricht, kommt ergemeinsam: „kommt“
- Deutsch
- Englisch
- Schwedisch
- Französisch
- +1
- wie kommt Saul unter die Prophetengemeinsam: „kommt“
- Deutsch
- Niederländisch
- Lateinisch
- Tschechisch
- +1
Fassungen in: Englisch · Französisch · Niederländisch