wes Brot ich ess, des Lied ich sing
Ein Sprichwort: ein Satz, der für sich steht und eine Erfahrung ausspricht. Wander führt sie 1867 als Sprichwort.
Bedeutung
- ich vertrete die Interessen, den Standpunkt, die Ansichten desjenigen, bei dem ich in Lohn und Brot stehe, von dem ich also wirtschaftlich abhängig bin
Bedeutungsangabe aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0.
So wird sie gebraucht
„Über die gute Tante äußerte er ſich nie. ‚Wes Brot ich eſſ’, des Lied ich ſing’‘, ſagte er einmal, ‚und wenn mir das Brot in der Kehle ſtecken bleibt, dann tut es das Lied erſt recht.‘“
; Autobiografie }}.„Das Salär eines Bundestagsabgeordneten, runde 15000 De-Emmchen monatlich, dürfte für die demokratische Wandlung ausreichen, denn wie heißt es doch im Hausschatz deutscher Volksweisheit so trefflich: ‚wes Brot ich eß, des Lied ich sing!‘.“
Lutz Graf, in: DAZ (1990)„Aber Zweckverbandsmann Oberhaus ist sich heute schon sicher, was bei der neuen Ökobilanz herauskommt. ‚Ist doch klar, wes Brot ich ess’, des Lied ich sing’.‘“
Klaus Wittmann, in: Zeit (1996)
Belegstellen aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0. Wo eine eigene Fundstelle angegeben ist, steht sie beim Satz.
Überlieferte Fassungen
Alle Fassungen stehen gleichrangig — die Reihenfolge ist die der Quelle, keine Wertung.
- Deutsch
Das Brot ich esse, das lied ich singe.
Beleg: Agricola II, 100 · S. 91 u. 303
Herkunft und Erläuterung bei Wander
Es ist natürlich, dessen Bestes zu befördern, von dem unser Bestehen abhängt; doch darf dies nicht über die Grenzen des Rechts ausgedehnt werden, sonst gilt, was jemand behauptet, dies Sprichwort gehöre in einen Hundekatechismus. Das Sprichwort gibt die kurze Selbstcharakteristik derer, die gern gut Brot essen und nicht Pumpernickel verdienen; von feilen Schriftstellern, die für Geld im 19. Jahrhundert die Melodien des Mittelalters singen; überhaupt derer, die stets das Lied dessen singen, der sie am besten füttert. Seb. Franck sagt bei demselben: „Man singt das Bettelliedlein (s. d.) dem Loch unter der Nase zu lieb. Wenn das zu wäre, wie einem Frosch nach Sanct-Jakobstag, blieb viel unterwegs, das um des lieben Mauls willen gethan und geredt wird.“ ( Kirchhofer, 97. ) Der Italiener sagt auch sprichwörtlich: Gib mir Brot und heisse mich Hund!
Wanders eigene Erläuterung, Band 1, Stichwort „Brot“, Nr. 303 — siehe unten bei den weiteren Fundstellen.
Woher der Beleg stammt
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 1, Leipzig 1867–1880. Stichwort „Brot“, Nr. 64.
Digitalisat: Deutsches Textarchiv, TEI-XML. Das Werk ist gemeinfrei. Wanders eigene Fundstellen stehen bei den einzelnen Fassungen.
Weitere Fundstellen bei Wander
Verwandte Sprüche aus demselben Werk — mit eigener Nummer, eigenen Fassungen und eigener Fundstelle.
Band 1, „Brot“, Nr. 303
- Deutsch
Wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe.
- Französisch
- Celui louer devons de qui le pain mangeons.
- Je tiens avec celui qui me donne du pain.
- Niederländisch
Wiens brood ik eet, wiens woord ik spreek.
Beleg: Magazijn, 82; Harrebomée, I, 98 - Italienisch
Dammi pane, e dimmi cane.
Beleg: Pazzaglia, 248 - Lateinisch
- Cujus edis panes, illius et adspice nutum.
- Ejus cantilenam cane, cujus plaustro veheris.
- Siceram eujus quis bibit, hujus et carmen canat.
- Ungarisch
A kinek szekere farkán ülsz, annak nótáját fújjad.
Beleg: Gaal, 248
Band 3, „Lied“, Nr. 7
- Deutsch
Des lied ich sing, des brot ich ess.
Band 3, „Lied“, Nr. 45
- Deutsch
Dessen Lied singen, dessen Brot man isst.
Beleg: Herberger, I, 738
Band 1, „Brot“, Nr. 324
- Deutsch
Brot und Haare miteinander essen.
Beleg: Eiselein, 97
Band 1, „Brot“, Nr. 335
- Deutsch
Dazu gehört mehr als Brot essen.
Beleg: Simrock, 1341
Worauf sich die Bedeutungsangabe stützt
- [1]redensarten-index.de, Stichwort „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“
- [1]Duden: Redewendungen, 2. Auflage, Stichwort »Wes Brot ich ess, des Lied ich sing«, Seite 140.
- [1]Duden: Zitate und Aussprüche, 3. Auflage, Stichwort »Wes Brot ich ess, des Lied ich sing«, Seite 595.
Nachweise aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0. Die Ziffer ist die Nummer der Bedeutung oben; [*] steht dort für einen Nachweis ohne feste Zuordnung.
Wendungen mit demselben Bild
Gemeinsam ist das Wort, nicht zwingend die Bedeutung.
- bei Wasser und Brot sitzengemeinsam: „Brot“
- Deutsch
- Niederländisch
- Lateinisch
- Dänisch