desavouieren
Verb. Schriftlich bezeugt seit 1715.
Bedeutung
- [1]leugnen, widersprechen, nicht anerkennen
- [2]vor allen anderen bloßstellen, herabwürdigen, im Stich lassen, brüskieren
Bedeutungsangabe aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0.
So wird es gebraucht
[1]Er desavouierte Arabellas ganze Natur: aber das war ja, was er wollte, was er sollte.
Hugo von Hofmannsthal, Lucidor, z.n. Projekt Gutenberg[1]Ich weiß nicht, warum er dieses Buch desavouieren wollte, da es ihm doch gewiß keine Schande macht.
Heinrich Heine, Reisebilder, z.n. Projekt Gutenberg[1]Dagegen zeigten sich dieselben Führer keineswegs geneigt, die politische Gleichberechtigung der Freigelassenen zu befürworten; der Volkstribun Gaius Manilius, der in einer nur von wenigen Leuten besuchten Versammlung das Sulpicische Gesetz über das Stimmrecht der Freigelassenen hatte erneuern lassen (31. Dezember 687 67), ward von den leitenden Männern der Demokratie alsbald desavouiert und mit ihrer Zustimmung das Gesetz schon am Tage nach seiner Durchbringung vom Senate kassiert.
Theodor Mommsen, Römische Geschichte, Fünftes Buch, z.n. Projekt Gutenberg[2]„Jemanden desavouieren heißt, ihm die Dignität entziehen, ihm die Glaub- und Vertrauenswürdigkeit nehmen.“
Beiträge zur Ontologie der Politik, Hans Buchheim, 1993[2]Lösen wir sie [die Menschen in Deutschland] aus jenen Ängsten und Bedrückungen, die auch Folge eines Niederredens unseres Landes und der Leistungen seiner Menschen durch die Opposition sind, eine Opposition im Übrigen, die sich aus Furcht vor der Verantwortung fast jeder konstruktiven Zusammenarbeit mit uns verweigerte oder – das füge ich hinzu – eine vollzogene Zusammenarbeit im Nachhinein desavouierte, eine Opposition, die den Bürgerinnen und Bürgern aus schierem Opportunismus verschweigt – auch jetzt –, welche konkreten Pläne sie hat.
Gerhard Schröder: Vertrauensfrage im Deutschen Bundestag am 1. Juli 2005[2]„Und wenn die Kategorie des »Durchbruchs«, die Mahler ja geschaffen hat und die im Finale hier eine große Rolle spielt, in Banalität mündet, dann bemerke ich hier einen riesen Unterschied an menschlicher Erfahrung zwischen dem sieghaften Choral der Ersten und schon mal der Idee des »Titan« von Jean Paul, die da total desavouiert wird, Jean Paul hätte sich niemals in so eine Vulgarität begeben; und dem scheiternden Choral der Fünften, in dem eine riesige Lebenserfahrung sich mittelt, die dem jungen Mann halt einfach gefehlt hat.“
Michael Gielen, in: ders., Paul Fiebig - Mahler im Gespräch, Die zehn Sinfonien, Stuttgart/Weimar 2002, Seite 22.
Seit wann es belegt ist
Der älteste Fund im Deutschen Textarchiv stammt von 1715 aus „Getreuer und Geschickter Handels-Diener: Jn welchem …“ von Paul Jacob Marperger — dort in der Schreibung desavouirt. Das Archiv führt 142 Fundstellen dieses Wortes.
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Worauf sich die Bedeutungsangabe stützt
- DWDS — Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache, Stichwort „desavouieren“
- Wortschatz-Portal der Universität Leipzig, Stichwort „desavouieren“
- OWID — Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch, Stichwort „276801“
- Duden online
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