Chuzpe
Substantiv. Verzeichnet schon im Renate Wahrig-Burfeind: Brockhaus Wahrig Deutsches Wörterbuch, in: Digitale Bibliothek (2012).
Bedeutung
- [1]dreistes Wesen oder Verhalten beziehungsweise dreiste Handlung (von unbekümmerter bis charmanter Art), ohne den nötigen Takt und Respekt und daher auf eine ungehörige und rücksichtlose Art freimütig im Wesen oder Verhalten, (auf pfiffige Art) sich mit aufreizender Respektlosigkeit über die Grenzen des Taktes und des Anstandes hinwegsetzendes (und die Gefühle anderer verletzendes) Wesen oder Verhalten beziehungsweise eine derartige Handlung, anmaßende Art oder Handlung beziehungsweise anmaßendes Wesen oder Verhalten, freche Art oder Handlung beziehungsweise freches Benehmen
- [2]freche, ungezogene Art oder Handlung beziehungsweise freches, ungezogenes Wesen oder Verhalten, Benehmen
- [3]„anmaßender, nicht sehr kecker Mensch“
Bedeutungsangabe aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0.
Zum Gebrauch
Laut Stern soll es sich bei »Chuzpe« um das einzige Wort in der deutschen Standardsprache handeln, das mit einem ach-Laut beginnt. Dementgegen meint Althaus, es gehöre zu den wenigen Wörtern der deutschen Sprache, die anlautend mit dem Ach-Laut auszusprechen sind. Er nennt exemplarisch weitere Ausdrücke wie »Chammer«, »Chanukka«, »Chassen«, »Chassene«. Konsultiert man die Wörterbücher, vor allem die Fremdwörterbücher, des Duden oder Wahrig, lassen sich in der Tat noch mehr solcher Wörter finden, wie zum Beispiel »Chasan«, »Chassid«, »Chassidäer«, »Chata«, »Chatib«, »Chawer«, »Chuppa«, »Chutba« und einige andere mehr. Aber auch einige alltäglichere Wörter können nach der Schweizer Standardaussprache mit ausgesprochen werden, so zum Beispiel »Chaos«, »Charakter«, »Cholera«, »Chor«, »Chrom«, »Chronik«.
Anmerkung aus dem deutschen Wiktionary, CC BY-SA 4.0.
So wird es gebraucht
[1]Ⅰ.
[1]„Aber wenn sie mich auch durch und durch erkennen, besonders natürlich darin, daß all mein Wüten nur der bekannte jüdische Selbsthaß ist — die Väter führten’s auf die Neue Freie Presse zurück — , so werden sie doch alte Expressionisten werden, wenn sie glauben, daß mich eine Ballung sämtlicher Chuzpen von Berlin, München, Dresden, Prag, Brunn und Wien einschüchtern könnte.“
[1]„Aber eine treudeutsche Chuzpe bleibt diese Äußerung doch, und Herr Wolfsohn wird sie ihm nicht vergessen.“
[1]„Ich gebe zu, ich fürchtete das Aufsehen, das Susanne erregte, fürchtete, sie würde gleich einen noch schlimmeren Versuch machen, um mir zu beweisen, was Chuzpe sei.“
Martin Walser: Halbzeit (1960)[1]„Wer, außer ihm, könnte soviel Chuzpe aufbringen, um seinem Richter beim Haftprüfungstermin, bei dem es um vorläufige Freiheit oder Knast geht, etwas vorzusingen?“
[1]„Chuzpen wie diese haben Grassers Popularität kaum geschadet.“
Wie Schüssel mit Grasser in der ÖVP unterging, in: Kurier (2007)
Was ältere Lexika dazu sagen
- Renate Wahrig-Burfeind: Brockhaus Wahrig Deutsches Wörterbuch, in: Digitale Bibliothek (2012), Stichwort »Chuzpe«.
Verweise aus dem Wiktionary-Eintrag. Diese Werke sind gemeinfrei.
Wie sich der Gebrauch verschoben hat
Im Korpus taucht das Wort ab den 1900er Jahren regelmässig auf. Zwischen den 1960er und den 1980er Jahren ist seine Häufigkeit etwa auf das 8-Fache gestiegen; am häufigsten steht es in den 2000er Jahren.
Gezählt in Googles deutschem Buchkorpus (Ngram, Ausgabe 2019, CC BY 3.0). Das ist eine Aussage über diesen Bestand an Büchern, nicht über die deutsche Sprache: was gedruckt und digitalisiert wurde, ändert sich über die Jahrzehnte. Anders als der Erstbeleg oben nennt diese Angabe kein einzelnes Werk — sie zeigt eine Richtung, keine Fundstelle.
Worauf sich die Bedeutungsangabe stützt
- Wikipedia
- DWDS — Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache
- OWID — Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch, Stichwort „178589“
- The Free Dictionary
- Duden online
- wissen.de, Stichwort „Wörterbuch“
- wissen.de, Stichwort „Fremdwort“
- wissen.de, Stichwort „Lexikon“
- PONS
- Wortschatz-Portal der Universität Leipzig
- Stern: Wörterbuch zum jiddischen Lehnwortschatz in den deutschen Dialekten, Stichwort »Chuzpe«, Seite 78.
- Küpper: Lexikon der Umgangssprache, Stichwort »Chuzpe«, Seite .
- Wahrig: Fremdwörterlexikon, 4. Auflage, Stichwort »Chuzpe«, Seite 164.
- Hans Peter Althaus: Chuzpe, Schmus & Tacheles (2006)
- Küpper: Wörterbuch der Umgangssprache, 1 (Digitale Bibliothek), Stichwort »Chuzpe«.
- Duden, Das Fremdwörterbuch, in: Der Duden in zwölf Bänden (2006), Stichwort »Chuzpe«.
- Duden: Großes Fremdwörterbuch, 4. Auflage, Stichwort »Chuzpe«, Seite 265.
- Duden: Universalwörterbuch, 6. Auflage, Stichwort »Chuzpe«, Seite 360.
- Duden, Die deutsche Rechtschreibung, in: Der Duden in zwölf Bänden (2009), Stichwort »Chuzpe«.
- Hans Peter Althaus: Kleines Lexikon deutscher Wörter jiddischer Herkunft (2010), Stichwort »Chuzpe«, Seite 69.
- Renate Wahrig-Burfeind: Brockhaus Wahrig Deutsches Wörterbuch, in: Digitale Bibliothek (2012), Stichwort »Chuzpe«.
- Frankfurter Wörterbuch (1971), Stichwort »Chuzpe«, Seite 442.
- Corinna Demme: Die Chuzpe, in: Deutsche Welle (2022), Deutsche Welle, Deutsch lernen - Wort der Woche:
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